Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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Ja, gnädige Frau, kommen Sie, und möge der Gott der Schlachten Ihrer Beredtſamkeit den Sieg verleihen, rief Theodor Körner, die Thür des Saals aufſtoßend und ſich neben derſelben aufſtellend, um die Dame hindurch ſchreiten zu laſſen.

Anmuthig und lächelnd durcheilte die ſchöne Frau den düſtern Saal und näherte ſich der Thür, gefolgt von den beiden Freiwilligen mit den roſigen Geſichtern und den glühenden Augen.

Auf einmal, ſchon im Begriff die Schwelle zu überſchreiten, blieb ſie ſtehen und blickte Theodor Körner mit ſchalkhaftem Ausdruck an. Halt, ſagte ſie, ich ſtelle noch eine Bedingung. Wenn wir dem Dichter helfen ſollen, ſo muß er uns dafür auch den Tribut des Dich⸗ ters darbringen. Nicht eher überſchreite ich dieſe Schwelle, als bis

Sie uns eins Ihrer neuen Schlachtlieder haben hören laſſen.

Ja, ja, ein Lied, ein Lied, riefen die beiden Freiwilligen.

* Nun, Sie ſchweigen? fragte Frau von Lützow lächelnd. Greifen

1 Sie in die Leier, mein Dichter, und laſſen Sie uns ein muthiges

Schlachtlied ertönen!

Nein, kein Schlachtlied, ſagte Theodor Körner, zu den Schlacht⸗ liedern gehört das Accompagnement des Degenklirrens und des Kanonen⸗ donners. Aber dem holden Schutzgeiſt des Corps der Rache will ich mein neueſtes Gedicht mittheilen, obwohl es noch nicht einmal ganz vollendet iſt, mein Gedicht an den Schutzgeiſt deutſcher Freiheit, an die Königin Louiſe! Hören Sie alſo!

Und die tiefblauen ſchwärmeriſchen Augen gen Himmel erhebend, declamirte Theodor Körner mit begeiſterter Stimme:

An die Königin Louiſe!

. Du Heilige! hör' Deiner Kinder Flehen,

2 Es dringe mächtig auf zu Deinem Licht. Kannſt wieder freundlich auf uns niederſehen, Verklärter Engel! länger weine nicht! Denn Preußens Adler ſoll zum Kampfe wehen. Es drängt Dein Volk ſich jubelnd zu der Fflicht, Und Jeder wählt, und Keinen ſiehſt Du beben, Den freien Tod für ein bezwung'nes Leben!

Mühlbach, Napoleon. III. Vd.