Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

u e

367

letzter Troſt und meine letzte Zuflucht. Wenn Sie den grauſamen Schneider rufen laſſen, wenn Sie ihm ſagen, wie wichtig und noth⸗ wendig es für mich iſt, an jener feierlichen Handlung Theil zu neh⸗ men, ſo werden Ihre Worte ihn hinreißen, und er wird das, was er unmöglich nennt, möglich machen. Rufen Sie alſo den Schneider zu ſich, gnädige Frau, er wohnt zum Glück ganz in der Nähe, hier auf dem Hof in dem großen Hintergebäude, gebieten Sie ihm, daß er meine Uniform mache, und er wird es thun müſſen, denn wer könnte Ihren Worten widerſtehen!

Nun, ich will es verſuchen, ſagte Frau von Lützow lächelnd. Ich will ſehen, ob meine Worte wirklich ſo viel Kraft haben, eine Schneider⸗ ſeele zu rühren.

Und wenn es blos darauf ankommt, daß es dem Schneider an Arbeitern fehlt, ſagte Leonore, haſtig ſich von dem Platz an der Thür erhebend und ſich den Beiden nähernd, wenn es blos das iſt, ſo biete ich mich als Arbeiter an, denn ich bin ſelber ein Schneider.

Ich auch, rief Caroline lebhaft. Ich verſtehe mich auch darauf, die Nähnadel zu führen, und ich will gern helfen, einem Kameraden die Uniform zu nähen.

Ach, die Freiwilligen, die ich eben angeworben, und die ich um Verzeihung zu bitten habe, daß ich ſie vergaß, rief Frau von Lützow lächelnd.

Wir vielmehr haben um Verzeihung zu bitten, daß wir blieben, ſagte Leonore. Aber wir danken Ihnen und dem Dichter Theodor Körner die ſchönſte Erhebung, und mir iſt, als hätten wir jetzt für unſere Zukunft erſt die rechte Weihe und die rechte Freudigkeit des Bewußtſeins empfangen. Jetzt, ſeit ich weiß, welche große Opfer man freudig dem Vaterland darbringen kann, jetzt fühle ich erſt, wie ſehr es für mich eine heilige Pflicht war, auch meinerſeits ein Opfer dar⸗ zubringen, und ich mache mir kein Gewiſſen daraus, daß auch ich meine Aeltern und Geſchwiſter daheim zurückgelaſſen. Es iſt gewiß ſo, wie der Dichter vorher ſagte:Eine große Zeit will große Herzen! Und ſo will ich mich denn recht bemühen, ein großes Herz zu haben, damit ich der großen Zeit würdig ſei.