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ein Opfer, welches das Vaterland Ihnen danken, und welches Tauſende begeiſtern wird, Ihnen nachzuſtreben, es Ihnen gleich zu thun! Möchte es ſo ſein, rief Theodor begeiſtert aus, die großen ſchwarzen Augen zum Himmel erhebend, möchte die Begeiſterung für das Vater⸗ land wie ein Blitzſtrahl in alle Herzen einſchlagen, und einen Brand entzünden, deſſen Feuer wie heilige Gotteszeichen durch die ſpäteſten Zeiten hindurch leuchtet, an dem ſich unſere ſpäteſten Enkelkinder noch erwärmen können! Ich leugne es nicht, ich hab's gefühlt, daß ich dem Vaterlande ein großes Opfer bringe, aber grade das hat mich begeiſtert. Alle Sterne meines Glückes leuchteten über mir in ſchöner Milde, aber ich durfte ſie nicht anſchauen, da auf Deutſchland noch die Macht der Trübſal laſtete, und jetzt, da dieſe Nacht ſchwinden will, da für Deutſchland ein neuer Morgen zu dämmern beginnt, da müſſen auch meine Sterne erblaſſen vor der Alles überſtrahlenden Sonne der auf⸗ gehenden deutſchen Freiheit. Das war die heilige Ueberzeugung, die mich forttrieb aus Wien, fort von der geliebten Braut, die mich Alles bei Seite werfen ließ, was ſonſt dem Leben Werth verleiht. Eine große Zeit wikl große Herzen! Ich fühlte die Kraft in mir, eine Klippe ſein zu können in der Völkerbrandung, ich mußte hinaus und dem Wogenſturm die muthige Bruſt entgegendrücken. Sollte ich etwa in feiger Begeiſterung blos meinen ſiegenden Brüdern meinen Jubel nachleiern? Niemand hätte mich dann mehr lieben und achten können, meine Aeltern würden ſich meiner haben ſchämen müſſen, und meine holde Braut würde von dem feigen Dichter ſich verachtend haben ab⸗ wenden müſſen! So warf ich denn mein Alles hin für's Vaterland! Wohl werden die Aeltern und meine Emma um mich weinen! Gott tröſte ſie, ich kann's ihnen nicht erſparen! Daß ich mein Leben wage, das gilt nicht viel, daß aber dies Leben mit allen Blüthenkränzen der Liebe, der Freundſchaft und der Freude geſchmückt iſt, und daß ich es doch wage, daß ich die ſüße Empfindung hinwerfe, die mir in der Ueberzeugung lebte, meinen Geliebteſten keine Unruhe und Angſt mehr zu bereiten, das iſt ein Opfer, dem nur ein ſolcher Preis entgegengeſtellt werden kann! Die Liebe des Vaterlandes muß uns Allen höher ſtehen, wie jede andere Liebe, und ihm müſſen wir freudig unſer Blut und


