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Freiwilligen mit leichtem Kopfnicken begrüßend, ich bin's, und ich komme zu Ihnen in wahrer Verzweiflung!
Die Majorin eilte zu ihm und blickte mit dem Ausdruck liebevoller Theilnahme in ſein ſchönes, bleiches Angeſicht, und auf die von dunklen, ſchwarzen Locken umwallte Stirn, auf welcher düſtere Falten lagerten.
Ja wahrhaftig, ſagte ſie, Ihr Angeſicht iſt anzuſchauen, wie eine düſtere Wetterwolke, die ſich jeden Augenblick mit Donner und Blitz entladen will! Was giebt's denn nur? Was iſt Ihnen widerfahren, mein Dichter und mein Held?
Komm, laß uns gehen, flüſterte Caroline ihrer Freundin zu.
Nein, laß uns bleiben, ſagte Leonore leiſe. Wenn's ein Geheimniß iſt, wird man uns ſchon gehen heißen; ich möchte wohl wiſſen, was dem jungen, ſchönen Mann fehlt, den die Majorin einen Dichter und einen Helden nennt. Oh, ich habe noch niemals einen Dichter geſehen, und dieſer iſt ſo ſchön!
So wollen wir uns hier auf die Bank niederſetzen, flüſterte Ca⸗ roline, und—
Still, laß uns zuhören, ſagte Leonore, indem ſie ſich ſetzte.
Alſo, das iſt's nicht? rief die Majorin, die indeß ihr Geſpräch mit dem jungen Mann fortgeſetzt hatte. Keine Vorwürfe von dem Vater über des Sohnes raſchen Entſchluß?
Nein, nein, ſagte Theodor Körner raſch, mein Vater billigt vielmehr meinen Entſchluß, Soldat zu werden, und ſendet mir ſeinen Segen. Ich erhielt heute Morgen einen gar ſchönen und herzerhebenden Brief von ihm.
Alſo iſt's die Braut, welche unſern Dichter in Verzweiflung bringt, weil er ſie mehr liebt als das Vaterland, ſagte die Majorin. Ihr freilich kann ich's nicht verargen, denn für das Weib, welches liebt, giebt es nur Ein Vaterland, das iſt das Herz des Geliebten, und ſie iſt heimathlos, wenn dies ſich von ihr wendet! Aber grade das iſt ja das Schöne und Große Ihrer That, daß Sie um des Vaterlandes willen Alles das hingeben, was wir ſonſt die höchſten und heiligſten Güter des Lebens nennen, daß Sie ihm die Braut, das geſicherte Daſein, eine ſchöne und ehrenvolle Stellung, eine Zukunft voll Dichter⸗ ruhm und Glanz zum Opfer bringen. Denn ein Opfer iſt es, aber
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