Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 2. Band (1859)
Entstehung
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folgen und erlaubt, daß ich meinen eigenen Weg gehe und meine Pflicht erfülle in meinem Sinn. Mutter, meine liebe Mutter, nicht wahr, Du giebſt mir Deine Einwilligung? Du erlaubſt mir, daß ich noch heute nach Berlin reiſe, und da bleibe, und tüchtig Geld verdiene für unſern Invaliden?

Ich erlaube es Dir, mein Kind, ſagte die Mutter mit vor Rüh⸗ rung zitternder Stimme. Ich habe keine Brillanten und goldene Ketten, die ich dem Vaterlande weihen könnte, ſo gebe ich ihm denn das Schönſte und Koſtbarſte, was ich geben kann, meine Kinder. Ja, gehe, meine Leonore, verdinge Dich bei fremden Leuten, und das Geld, was Du verdienſt, das gieb dem Vaterland und ſeinen Kriegern.

Oh Dank, Dank, meine Mutter, rief Leonore, zu ihr hineilend und ſie feſt in ihre Arme drückend, Dank, daß Du auch mir erlaubt haſt, mein Opfer niederzulegen auf den Altar des Vaterlandes!

Sie küßte ihre Mutter mit innigſter Zärtlichkeit, und wandte ſich dann ihrem Vater zu.

Und Du, mein Vater, ſagte ſie leiſe und ſchüchtern faſt, Du ſagſt kein Wort? Du giebſt mir nicht Deine Erlaubniß?

Der Invalide ſtand auf ſeinen Krückſtock gelehnt, und blickte ernſt und gedankenvoll in das edle glühende Angeſicht ſeiner Tochter. Dann hob er langſam ſeine rechte Hand empor und legte ſie auf Leonorens Schulter.

Ich wiederhole, was Deine Mutter vorher ſprach, ſagte er mit feierlicher Stimme. Gleich ihr ſage ich: Ich habe keine Brillanten

und goldene Ketten, die ich dem Vaterlande weihen könnte, ſo gebe ich

ihm denn das Schönſte und Koſtbarſte, was ich geben kann, mein Kind, meine Leonore! Gehe hin, meine Tochter, und thue, was Du für Deine Pflicht hältſt, und möge Gott Dich ſegnen!

Er breitete ſeiner Tochter die Arme entgegen; ſie warf ſich an ſein Herz und lehnte ihr Haupt an ſeine Bruſt.

Lange ſtanden ſie ſo, Herz an Herz gedrückt, nur mit ihren Seuf⸗ zern, ihrem leiſen Schluchzen, ihren Thränen und mit den geheimſten Gedanken ihrer Seele zu einander redend.

Und jetzt, ſagte der Wachtmeiſter, Leonore ſanft von ſich ſchiebend,