Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 2. Band (1859)
Entstehung
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Hardenberg zuckte die Achſeln. Ich will es nicht glauben, ſagte er, aber ich fürchte es beinahe. Indeſſen werden wir, Sie ſowohl, wie ich, wachſam ſein. Doch hören Sie nur, Excellenz, da ſchlägt es zwei Uhr! Zwei Uhr in der Nacht! Wir haben Beide noch Cou⸗ riere abzufertigen, und dann endlich dürfen wir uns wohl erlauben, auch eine Stunde Schlafes für unſere erſchöpften Glieder zu ſuchen. Gute Nacht alſo, mein lieber Graf und Bundesgenoſſe! Gute Nacht! Ich eile zum König, um ihm zu ſagen, daß Frankreich zufrieden ſein wird mit der Genugthuung, die wir ihm bieten, und damit werde ich dem König einen ruhigen und friedlichen Schlaf für dieſe Nacht ſichern.

Ach, Sie ſind in der That ein Zauberer, Excellenz, ſagte St. Marſan heiter, denn Sie verſtehen es, Schlaf zu nehmen und zu geben. So lange man ſich in Ihrer Nähe befindet, vergißt man jede Müdigkeit der erſchöpften Creatur, und jetzt, wenn Sie mich verlaſſen haben, werde auch ich, Dank Ihren Worten und Verheißungen, ſo ruhig ſchlafen können, wie ich es lange nicht vermocht. Sie haben meine Seele beruhigt, und alſo wird auch mein Körper Ruhe finden. Sagen Sie mir alſo noch einmal gute Nacht, denn wenn Sie das ſagen, wird man ſie haben.

Eine gute Nacht alſo, mein lieber Graf, rief Hardenberg, indem er ſich mit einem langen Händedruck und einem zärtlichen Lächeln von dem Freunde verabſchiedete.

Das zärtliche Lächeln ſtand noch auf den Lippen des Staats⸗ kanzlers, als er in ſeine Kutſche ſtieg. Aber ſobald die Thür derſelben ſich hinter ihm geſchloſſen und der Wagen davon rollte, verſchwand dieſes Lächeln und ein Ausdruck finſtern Ernſtes breitete ſich über ſein Antlitz aus.

Ich hoffe, es iſt mir gelungen, ihn zu bethören und ihn arg⸗ wöhniſch zu machen in Bezug auf den König, ſagte er leiſe zu ſich ſelber. Da der König meinen Warnungen, meinen Bitten kein Gehör ſchenken will, da er nicht an die Möglichkeit glaubt, daß Frankreich es wagen könnte, ſich ſeiner Perſon zu bemächtigen, ſo wird es wohl an der Zeit ſein, ihm ſchlagende und unwiderlegliche Beweiſe zu geben.

Vielleicht entſchließt er ſich dann, Berlin zu verlaſſen. Wir können Mühlbach, Napoleon. IMI. Bd. 14