Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 1. Band (1859)
Entstehung
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müſſen Sie ſich auch von mir betrachten laſſen! Bedenken Sie, es iſt faſt ein Jahr her, ſeit ich nichts von Ihnen geſehen, als Ihre Schriftzüge.

Und das ſind ſehr unleſerliche Geſellen! lachte Blücher.

Sie ſind wenigſtens nicht ſo leſerlich und verſtändlich, als Ihr liebes Angeſicht, ſagte Scharnhorſt. Da, auf dieſer Stirn und in dieſen Augen, da iſt raſch und leicht Alles zu leſen, was Ihr präch⸗ tiger Kopf denkt, und Ihr ſchönes Herz fühlt. Und ich leſe jetzt darin, daß ich Ihnen wirklich willkommen bin, und daß ich gar nicht um Entſchuldigung zu bitten habe wegen meines unangemeldeten Beſuchs.

Um Entſchuldigung bitten! rief Blücher. Sie wiſſen's wohl, daß Sie mir eine wahre Herzensfreude gemacht haben durch Ihr Konmen, und daß mir iſt, als ob's plötzlich Frühling in der Welt werde, und alles Eis aufthauete unter Ihren prächtigen Blicken.

Wir wollen aber doch nicht wünſchen, daß der Frühling dies Mal früh kommt, um das Eis aufzuthauen. Wir brauchen viel Eis und Froſt, um dem Bonaparte damit in Rußland eine Mauſefalle zu bauen.

Blücher warf auf ihn einen ſeiner raſchen Feuerblicke. Scharn⸗ horſt, fragte er athemlos, Sie ſind gekommen, um mir wichtige Nach⸗ richten zu bringen, nicht wahr? Oh ich bitte Sie, ſprechen Sie! Nicht wahr, Sie ſind gekommen, um mir zu ſagen, daß es jetzt Zeit iſt, loszuſchlagen?

Nein, ich bin einfach gekommen, um Sie zu ſehen, ſagte Scharn⸗ horſt lächelnd. Und Sie ſind wahrlich ein kaltherziger Freund, daß Sie vermeinen, es bedürfe noch eines andern Grundes für meinen Beſuch, als eben der Freundſchaft.

Hm, ſagte Blücher faſt verlegen, ich meine nur ſo, ich dacht', der liebe Gott müßte doch endlich ein Einſehen haben. Na, aber es iſt ſchön von Ihnen, daß Sie blos um meinetwillen hergekommen ſind, und noch dazu in der abſcheulichen Winterkälte, und in Ihrem Alter.

In meinem Alter? rief Scharnhorſt lächelnd.

Nun ja, Freund, in Ihrem Alter! Sie müſſen, wenn mir recht iſt, nahe an die ſechszig Jahre alt ſein, und da iſt das Reiſen in kalter Winterszeit doch wohl beſchwerlich, und na, was lachen Sie?

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