Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 1. Band (1859)
Entstehung
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Eine tiefe lautloſe Stille herrſchte in der Gallerie, durch die von dunklen Vorhängen beſchatteten Fenſter warf die Abendſonne ihre Strah⸗ len, und zog lange zitternde Silberſtreifen durch den hohen Raum. Die Schritte des Grafen hallten dröhnend von den Wänden wieder, daß der Graf ſelber davor erſchrak, und ſeine ſcheuen ängſtlichen Blicke ſpähend um ſich her warf. Plötzlich erbebte er in jähem Schreck, und trat raſch einige Schritte vorwärts. Er hatte da an dem untern Ende der Gallerie ſich etwas bewegen geſehen, es war ihm als habe er ſich nähernde Schritte gehört. Ja, er hatte ſich nicht getäuſcht, jetzt ſah er es ganz deutlich. Eine Dame ſchritt von dem unteren Ende der Gallerie daher. Die Strahlen der Abendſonne beleuchteten ihre hohe Geſtalt und warfen goldene Lichter über das weiße Gewand, das weit und in vollen Falten bis über ihre Füße niederwallte. Mit langſamen Schritten kam ſie näher, ganz unbekümmert um den Grafen, der ſie anfangs erſtaunt anblickte, und ſich dann mit zürnendem Antlitz an den Kaſtellan wandte, welcher eben hinter ihm in die Gallerie trat.

Sie haben alſo meine Befehle doch nicht reſpectirt, S hluter, rief der Graf heftig. Es war ausdrücklich befohlen, daß die Zimmer ver⸗ ſchloſſen bleiben ſollten, bis zur Ankunft des Kaiſers, und daß Niemand hier herein kommen ſollte. Wie können Sie ſo vermeſſen ſein, meinem Befehl nicht zu gehorchen?

Aber, Excellenz, ich habe ja gehorcht, rief Schluter. Keine Men⸗ ſchenſeele außer den Bedienten hat hier eintreten dürfen, und auch die habe ich ſchon vor zwei Stunden Alle hinausgejagt, und die Thüren ſelbſt hinter ihnen verſchloſſen.

Wenn das wahe wäre, wie kommt es denn, daß ſich hier in der Gallerie noch eine Dame befindet? fragte Graf Münſter, indem er mit der Hand vorwärts deutete.

Eine Dame? fragte Schluter erſtaunt. Wo iſt ſie denn, Excellenz?

Der Graf heftete ſeine Blicke forſchend auf das große Bogenfenſter, in deſſen hellem Licht er die Dame vorher mit unverkennbarer Deut⸗ lichkeit geſehen. Jetzt ſtand ſie nicht mehr dort, die Gallerie war leer

Sie haben alſo vergeſſen, die untere Thür dort zuzuſchließen, und während ich mich zu Ihnen wandte, und Sie ausſchalt, iſt die Dame