Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 1. Band (1859)
Entstehung
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durch die offene Thür entflohen, rief der Graf, während er eilig vor⸗ wärts ſtürzte, und jetzt am Ende der Gallerie an die Thür faßte, die von dort auf den äußeren Corridor führte.

Aber dieſe Thür war verſchloſſen, vergebens rüttelte der Graf am Schloß, die Thür war und blieb verſchloſſen!

Bei Gott, das iſt ſeltſam, murmelte Graf Münſter, indem er die Hand ſinken ließ. Ich habe ſie doch ganz deutlich geſehen, es iſt un⸗ möglich, daß ich mich getäuſcht habe! Wo iſt ſie geblieben? Was iſt aus ihr geworden? Wo kann ſie ſich verſteckt haben?

Was wird aus dem letzten Seufzer eines Sterbenden, Excellenz? fragte Schluter feierlich. Wo verſteckt ſich die Seele, wenn ſie dem Körper entflieht?

Ach, Unſinn! rief Graf Münſter. Hier kann von einem Geſpenſt gar nicht die Rede ſein. Es iſt ja nicht einmal die Geiſterſtunde, und überdies habe ich die Dame ganz deutlich geſehen, es war eine durch⸗ aus körperliche und irdiſche Geſtalt. Ihr Geſicht war bleich und ernſt, aber nichts Geſpenſterhaftes war darin. Sie trug einen ſchwarzen Schleier, den ſie von ihrem Antlitz zurückgeſchlagen hatte, den oberen Theil ihrer Geſtalt bedeckte

Ein dunkler, pelzverbrämter Ueberwurf, unterbrach ihn Schluter gelaſſen. Unter dem dunklen Ueberwurf hervor kam aber das weite, weiße Seidengewand, das in vollen Falten bis zur Erde herniederwallte.

Ja, ja, grade ſo war ſie angezogen, rief der Graf. Woher wiſſen Sie das aber, da Sie ſie doch nicht ſahen?

Es iſt der Anzug der weißen Frau, Excellenz, ſagte Schluter, und ſie war es, die hier ſo eben durch die Gallerie gewandelt iſt. Belieben der Herr Graf nur jetzt mit mir hinüber zu gehen nach dem anderen Schloßflügel, und ſich das Bild anzuſchauen, Ew. Excellenz werden ſich dann überzeugen, daß ich die Wahrheit ſagte.

Nein, nein, ich will nichts mehr ſehen, rief Graf Münſter, deſſen Wangen bleich geworden waren, und der ſein Herz wie von Todes⸗ ſchauern überrieſelt fühlte. Schließen Sie die Thür auf, Schluter! Ich will hinaus! Die Luft iſt hier ſchwül und beengt! Fort! Fort! Mein Gott, ſo öffnen Sie doch!

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