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der weißen Frau, das drüben im Cabinet neben dem Audienzſaal hängt, und es iſt daher gar nicht nöthig, daß Sie es mir ſo ausführlich beſchreiben.
Wir haben, wie Ew. Excellenz wiſſen, zwei Bilder von der weißen Frau, ſagte der Kaſtellan lakoniſch.
Ja wohl, das eine mit dem weißen Kleid in der Eremitage, das andere mit dem dunklen Ueberwurf hier im Schloß. Gott ſei Dank, es iſt doch jedenfalls nur Ein Gemälde von ihr hier, und Sie haben es doch drüben auf dem andern Flügel, nicht wahr?
Das heißt, ich habe das Bild dort heute Nachmittag noch geſehen, ob es aber noch dort iſt, wer kann das wiſſen!
Wie ſo? Wer kann das wiſſen? fragte der Graf ungeduldig. Was wollen Sie damit ſagen?
Ich will damit ſagen, Herr Graf, daß das Bild eigentlich kein Bild iſt, ſondern nur das Bett, in welchem die weiße Frau ſo lange ruht, bis es ihr beliebt zu wandeln, und daß es während der Zeit, daß ſie wandelt, gewiß nicht an ſeinem Platz zu finden iſt. Hatte ich Ew. Excellenz nicht vor einem halben Jahr berichtet, daß das Bild abermals ſeinen Nagelzerbrochen habe, und von demſelben heruntergeſtiegen ſei? Es war ein ganz neuer Nagel, Herr Graf, feſt und ſtark, daß man ein halbes Regiment Franzoſen zu gleicher Zeit hätte daran auf⸗ hängen können; ich hatte den Nagel eigens vom Schmidt anfertigen laſſen, und der Maurer hatte ihn in ein gebohrtes Loch in der Wand einmauern müſſen. Ich ſelbſt hing alsdann das Bild an dem Nagel auf, und es hing feſt und gut, als wär' es mit der Wand verwachſen. In der Nacht aber erwachte ich von einem Geräuſch, als ob ein Donner über meimem Haupte hinrollte, und als ich meine Augen aufſchlug, ſtand die weiße Frau vor meinem Bett; die rechte Hand drohend er⸗ hoben, den ſchwarzen Schleier zurückgeſchlagen, ſtarrte ſie mich an mit zornblitzenden Augen. Ich ſtieß einen Schrei aus, und ſchloß die Augen. Als ich ſie wieder öffnete war die Erſcheinung verſchwunden. Am andern Morgen ging ich in den Saal, um nach dem Bilde zu ſehen. Es war nicht mehr da. In der Wand, wo der Nagel einge⸗ mauert geweſen, war nur ein blutrother Flecken, der Nagel, in kleine Stückchen zerbrochen, lag an der Erde. Das Bild aber war in das
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