Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 1. Band (1859)
Entstehung
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Haupt ie feſt

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lich wie immer, des Königs Antlitz ernſt, gedankenvoll und traurig, auch wie immer.

Schlimme Nachrichten, nicht wahr? fragte der König kurz und raſch. Kommen ſo früh, muß was Beſonderes paſſirt ſein, nicht?

Nichts Beſonderes, Ew. Majeſtät, ſagte Hardenberg mit ſeinem unverwüſtlichen Lächeln. Aber wir befinden uns freilich fortwährend in einer beſondern Lage, ſo daß Alles, was ſonſt auffallend erſcheinen möchte, jetzt nur noch das Gewöhnliche iſt.

Vorrede! ſagte Friedrich Wilhelm nachdenklich. Haben alſo etwas Abſonderliches zu ſagen. Sprechen Sie! Was giebt's? Platz nehmen, und dann reden!

Der König deutete auf einen Stuhl hin, und nahm dann wieder auf ſeinem Fauteuil Platz.

Hardenberg ſetzte ſich, und blickte einen Moment faſt befangen und unſicher vor ſich nieder.

Etwas in Berlin paſſirt? fragte der König. Krawall zwiſchen den Bürgern und den Herren Franzoſen?

Nein, Ew. Majeſtät, ſagte Hardenberg, auf deſſen feinen Lippen jetzt ſchon wieder ſein gewohntes Lächeln thronte. Die Berliner ver⸗ halten ſich ganz ruhig und gelaſſen, und ertragen mit einer bewun⸗ derungswürdigen Geduld den Uebermuth der Franzoſen. Ich habe nichts von Zwiſtigkeiten, überhaupt nichts von Bedentung zu berichten, nur wollte ich Ew. Majeſtät vermelden, daß ich geſtern Abend ſpät noch einen Courier aus Dresden erhalten habe.

Der König zuckte leicht zuſammen und ſeine Stirn zog ſich düſterer in Falten. Von wem? fragte er tonlos.

Von unſerm Geſandten, erwiederte Hardenberg leichthin. Es ſind überraſchende Nachrichten in Dresden angelangt. Man erwartet dort den Kaiſer Napoleon. Er hat am 9. Mai mit der Kaiſerin Marie Louiſe St. Cloud verlaſſen, ohne daß irgend Jemand die Abſicht und das Ziel der kaiſerlichen Reiſe kannte. Jedermann glaubte, der Kaiſer wolle mit ſeiner Gemahlin nur eine kleine Luſtreiſe bis Mainz unter⸗ nehmen, aber plötzlich hat der Kaiſer in Mainz ſeiner Umgebung er⸗ klärt, er ziehe zu einem neuen Kriege aus, und werde ſeine Gemahlin