Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Hämmert der Todtenwurm ſchon wieder? Bohrt er in ihrem Herzen und arbeitet an ihrem Sarg? Iſt er doch mächtiger als die Königin?

Nein, nein! Louiſe beſiegt ihn, Louiſe iſt mächtiger als er! Freude ſtrahlt von ihrem Angeſicht, heitere Worte nur tönen von ihren Lippen, und im leicht beſchwingten Tanz ſchwebt die Königin dahin.

Und dem Tag des Glücks folgt ein anderer Tag ſchöneren Glücks.

Der König kommt, ſeine geliebte, lang vermißte Gemahlin wieder zu ſehen, ſie wieder abzuholen in die zweite Heimath, in ſein Haus und an ſein Hetrz⸗

Sie hat ihn wieder, den geliebten Gemahl, den treueſten Freund. Sie ſchaut mit Entzücken in ſein edles, männlich ſchönes Angeſicht, ſie freut ſich ſeiner hohen, königlichen Geſtalt, und der Strahl der Liebe, der ihr aus ſeinen Augen flammt, entzückt ſie.

Mit freudefunkelnden Augen ſchaut ſie dem König nach, der eben mit dem Herzog das Zimmer verläßt, um die alte Schloßkirche zu be⸗ ſehen. Oh, Georg, ruft ſie freudevoll dem Erbprinzen zu, der in dem Wohnzimmer des Herzogs mit ſeiner Schweſter allein geblieben, oh, Georg, nun erſt bin ich ganz glücklich! Das möcht' ich immer rufen, das möcht' ich Euch Allen immer wiederholen.

Und als ob das geſprochene Wort ihr nicht genügt, als ob ſie es auch ſichtbar documentiren müßte, eilt die Königin zum Schreibtiſch ihres Vaters hin.

Lächelnd nimmt ſie ein Streifchen Papier und eine Feder, und mit haſtiger Hand ſchreibt ſie auf das Papier:Mein lieber Vater! Ich bin heute ſehr glücklich als Ihre Tochter und als die Frau des beſten der Gatten. Louiſe.*)

So, ruft die Königin, da ſteht es geſchrieben! Heute wird es mein Vater nicht mehr finden, denn wir fahren gleich ab nach Hohen⸗ zieritz. Aber wenn er übermorgen wieder kommt und an ſeinen Schreib⸗ tiſch tritt, da wird er dieſen Gruß ſeiner Louiſe finden, und es wird

ihn freuen, und

*) Die letzten Worte, welche die Königin geſchrieben. Der König bewahrte dies letzte, von der Königin geſchriebene Zettelchen als Heiligthum auf und trug es in ſeinem Portefeuille immer bei ſich.