Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Oh, er wird kommen, mein Freund, und er wird auch den Brief ſchreiben, rief die Königin.

Und Du biſt einverſtanden, daß Hardenberg das Miniſterium Altenſteins übernimmt? fragte der König lächelnd.

Einverſtanden? fragte die Königin. Voll Freude und Seligkeit bin ich, daß Du dieſen Mann zu Dir rufſt. Nun hege ich wieder Hoffnungen für Preußen, nun blicke ich vertrauensvoll in die Zukunft, denn Hardenberg iſt ein Patriot, ein deutſcher Mann, dem die Ehre und Würde des Vaterlandes am Herzen liegt, der uns nicht zu Va⸗ ſallen Frankreichs erniedrigen will, der nicht vorſchlagen wird, Pro⸗ vinzen aufzuopfern, wo wir uns mit Geld loskaufen können. Oh, mein geliebter, theurer Freund, wie danke ich Dir für dieſe Freude! Dies Papier iſt das ſchönſte meiner Geburtstagsgeſchenke, und es macht wirklich mein Herz froh und leicht.

Hab' aber doch noch ein anderes gutes Papier, das Dir Freude machen wird, rief der König, indem er ein zweites Papier aus ſeinem Buſen hervorzog. Da, meine liebe zärtliche Prinzeſſin von Mecklen⸗ burg, da haſt Du mein zweites Geſchenk.

Er legte ein zuſammengefaltetes Papier in die Hände der Königin und nickte ihr lächelnd zu. Louiſe ſchlug das Papier auseinander, und nun flog ein Lächeln über ihr Antlitz hin und ein Freudenſchrei tönte von ihren Lippen.

Reiſeſchein für die Königin Louiſe, gültig für eine Reiſe nach Mecklenburg⸗Strelitz, las ſie mit frohem Lachen.Erſter begleitender Reiſe⸗Marſchall: Friedrich Wilhelm.

Ich ſoll nach Mecklenburg, jauchzte die Königin, und Du, Du willſt mich begleiten? Oh, mein Geliebter, Du haſt alſo meines Her zens geheimſten und glühendſten Wunſch errathen, und ehe noch meine Lippen ihn ausgeſprochen, giebſt Du ihm Erfüllung. Oh, wie ſoll ich Dir danken, Du lieber, einziger Freund?

Sie ſchlang mit leidenſchaftlicher Innigkeit ihre beiden Arme um den Nacken des Königs und drückte einen langen Kuß auf ſeine Lippen. Lieber, Lieber, wie ſoll ich Dir danken? flüſterte ſie noch einmal mit Thränen in den Augen.

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