Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

730

waltigen Ruf ſeines Hofer erhoben hatte! Meine Seele hoffte auf ihn, mein Herz kämpfte mit ihm. Und welch ein Mann war er, dieſer liebe, biedere, einfache Andreas Hofer! Ein Bauer, der ein Feldherr geworden, und welch ein Feldherr! Seine Waffe— Gebet! Sein Bundesgenoſſe— Gott! Er kämpfte mit gefaltenen Händen, kämpfte mit gebeugten Knieen und ſchlug den Feind wie mit dem Flammen⸗ ſchwerte des Cherubs! Und mit ihm kämpfte das treue Tyroler Volk! Ein Kind an Gemüth, kämpfte es wie die Titanen mit Felsſtücken, die es von ſeinen Bergen niederrollte.*“) Und nun iſt dies Alles doch umſonſt und vergeblich geweſen! Das arme Tyroler Volk iſt geopfert, Andreas Hofer iſt als Verräther erſchoſſen worden,**) und ſein Ueber⸗ winder reicht morgen der deutſchen Kaiſerstochter die Hand zum Bunde der Liebe. Die Tochter des Kaiſers von Oeſterreich wird morgen die Gemahlin Napoleons, und Du zweifelſt noch, daß es Ungerechtigkeiten des Schickſals giebt? Oh, ich zweifle ja auch nicht an der göttlichen Gerechtigkeit, aber wir Menſchen können ſie nur oft nicht erkennen und begreifen, weil unſer Leben nicht lang genug iſt, um das Ende zu ſchauen von Dem, wovon wir den Anfang geſehen. Das Ende wird kommen auch für ihn, für Napoleon. Aber wer von uns wird die Kraft haben, ſo lange zu leben?

Wir Alle, ſagte Frau von Berg, die Hoffnung auf das endliche Erſcheinen der göttlichen Gerechtigkeit wird uns aufrecht halten.

Ich werde dieſe goldenen Tage nicht erleben, ſagte die Königin feierlich. Dieſer Mann, der morgen ſein Vermählungsfeſt mit einer deutſchen Prinzeſſin feiert, hat den Dolch in mein Herz geſtoßen, an dem es verbluten wird. Es iſt dies nicht blos bildlich, es iſt wörtlich gemeint. Es ſitzt da Etwas in meinem Herzen, das mir Tag und Nacht keine Ruhe läßt. Es bohrt und hämmert wie der Todtenwurm, es klopft und ſticht immerfort, unaufhaltſam. Zuweilen fühl' ich ſchon, daß es ſich durchgebohrt hat bis zu meinem innerſten Leben, da iſt mir, als ob der Tod mir ſchon ſeine Hand entgegenſtreckt. Ich werde

*) Der Königin eigene Worte. Siehe:„Königin Louiſe.“ S. 349. **) Den 20. Februar 1810.

ſteben an dem in Frnkreich t ich werde ſterbe nird ihm zu mein Grablied ſtill, ſill,— Herz ſchauen weilen den blu Herz umhüll. bewahre das( bruſt, und vor auch nur nit Künig ängſtig denn meine„ lindern. Ver indem Du ih et glaubt. Ich verſy Ich wade Königin ſpre ſlehen. Und die Dunkelhe düſter, und ewigen unve Tag der Ver wilie glit gelickte Kön und ihr An wird wieder Frohſins Hoffen der Hand gfrißiger nich her