Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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pauete— kann man darüber in Zweifel ſein? Er war es, Er allein! Oh, mein Gott, kommt die Zeit, und werd' ich ſie erleben, dieſe Zeit, wo die Hand des Verhängniſſes endlich das Mene, Mene Tekel an ſeine Mauer ſchreibt?*)

Ew. Majeſtät werden dieſe Zeit erleben, rief Frau von Berg. Sie werden Zeuge ſein des Gottes⸗ und des Völkergerichts, das den Gewaltigen zu Boden ſchleudern wird.

Die Königin ſchüttelte leiſe das Haupt.

Nein, flüſterte ſie, nein, ich werde dieſe Zeit nicht erleben. Ich denke, es wird wohl das letzte Mal ſein, daß ich meinen Geburtstag hier feiere.**)

Oh, Louiſe, rief Frau von Berg, in Thränen ausbrechend, ſprechen Sie nicht ſo grauſame, herzzerreißende Worte. Sie werden leben, Sie müſſen leben, der Menſchheit zum Troſt, uns Allen zur Freude. Es wäre eine Ungerechtigkeit vom Schickſal, daß man auf immerdar ver⸗ zweifeln müßte an jeder göttlichen Gerechtigkeit, wenn unſere Königin von hinnen gehen ſollte, ohne die Tage der Befreiung und des Glücks wieder geſehen zu haben.

Meine Liebe, es giebt ſolche Ungerechtigkeiten des Schickſals, ſagte Louiſe mit einem matten Lächeln. Oder war's etwa gerecht, daß der edle Palm erſchoſſen ward, daß Schill unterliegen mußte, und für ſein edles Wollen nur als Deſerteur gebrandmarkt ward? Iſt's gerecht, daß jetzt wieder Andreas Hofer ſein edles Kämpfen für die Freiheit mit dem Tode hat büßen müſſen? Dem Kaiſer iſt es ergangen, wie es uns ergangen iſt. Er hat Andreas Hofer opfern müſſen, wie wir Ferdinand von Schill opfern mußten. Die eiſerne Hand des Gewal⸗ tigen ruhte auf ihm, wie auf uns! Und ſo haben ſie den edlen tapfern

Tyroler jetzt zu Mantua erſchoſſen! Meine Seele trauert um ihn, denn ich liebte ihn und hoffte auf ihn. Seit er erſchienen war, hatte ich erſt das Wort von Schiller verſtanden:„Auf den Bergen iſt Freiheit.“ Dies Wort erklang mir wie eine Prophezeihung, wenn ich im Geiſt hinüberſchauete auf das Hochgebirge, das ſich auf den ge⸗

*) Der Königin eigene Worte. Siehe: Königin Louiſe, S. 339. **) Der Königin eigene Worte. Siehe: Königin Louiſe, S. 359.