Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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fühlte, daß das Theater an dieſem Tage der einzige Ort ſei, wo die Herzen, die der Königin gehörten, gemeinſam ſchlagen durften, wo die Blicke, die man einander zuwarf, ſich verſtanden, wo die Lippen leiſe

flüſtern konnten:„es iſt heute Ihr Geburtstag! Segen über ſie!“ — Kein Platz alſo war leer im ganzen Hauſe, auf den Gallerien, wie in den Ranglogen, im Parquet, wie im Parterre, überall dieſelbe freudige Bewegung; Jedermann hatte ſein Feſttagskleid angezogen, und trug eine Feſttagsſtimmung im Herzen. Nur da drüben in den Logen der fran⸗ zöſiſchen Herren, da ſah man düſtere Geſichter, und gar feindſelige Blicke ſchleuderten ſie auf das frohbewegte, glänzende Publikum. Jetzt ging der Vorhang in die Höhe, und das Schauſpiel nahm ſeinen Anfang. Das Stück begann mit einer Scene, bei welcher der Schau⸗ ſpieler Lange und ich allein auf der Bühne ſtanden. Der Lange hatte die Rolle eines eben anlangenden Freundes des Hauſes, ich ſtellte den Sohn der Mutter Louiſe dar, und ich kam auf die Bühne mit einem großen duftenden Blumenſtrauß am Buſen. Was ſchauſt Du denn heute ſo geputzt und glücklich aus? fragte mich der Lange. Iſt wohl ein Feſttag in Eurer Familie?— Ja, rief ich laut und froh, es iſt ein Feſttag in unſerer Familie. Ein ſchöner, großer Feſttag. Es iſt das Feſt der Wiedergeburt unſerer angebeteten Mutter! Heil ihr, Heil unſrer Theuren, der dieſe Blumen gelten!— Und ich riß, vom Moment ſelber begeiſtert, das Bouquet von meiner Bruſt, und hielt es dem Publikum entgegen. Und auf einmal, von Einem und demſelben Blitz der Liebe, der Begeiſterung getroffen, erhob ſich das ganze Publikum, in den Logen, im Parterre, in den Parquets, und auf der Gallerie richtete es ſich empor, und wie aus Einem Munde, und aus Einem Herzen riefen tauſend Stimmen:„Heil Ihr! Heil der Theuren! Heil der angebeteten Mutter!“*) Oh, Königin, es war ein erhabener, ein wundervoller Moment, und Gott hat unſere Thränen gezählt, und die Gebete verſtanden, die wir in jenem Moment zu ihm emporſchickten. Er hat uns unſere Königin, die geliebte Mutter ihres Landes und ihres Volkes, wiedergegeben!

*) Hiſtoriſch. Siehe: Königin Louiſe, S. 308, und Eylert, Thl. IMI.

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