Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Die Königin hatte ihm anfangs mit lächelndem Blick zugehört, allmälig aber war ihr Antlitz ernſter geworden, und ihre Augen hatten ſich niedergeſenkt. So, mit tiefbewegten Mienen ſtand ſie da, als Iffland jetzt ſchwieg; unter ihren niedergeſchlagenen Augenlidern hervor quollen zwei Thränen, die langſam über ihre Wangen niederrollten.

Tiefe Stille herrſchte in dem weiten Saal, Aller Augen waren auf die Königin gerichtet, Aller Mienen waren tief bewegt.

Langſam hob die Königin den Blick wieder empor, und ihre Augen richteten ſich mit einem Ausdruck unendlicher Güte auf Iffland hin.

Ich danke Ihnen, ſagte Louiſe, Sie haben treu zu Ihrer Königin gehalten, als Viele ſie verleugneten, Sie ſind mir ein treuer Ritter geweſen, und deshalb will der König, daß Sie immer den ſchönen Titel eines Ritters führen ſollen. Er geſtattet mir, an meinem heutigen Geburtstagsfeſte, ſtatt des Bouquets, das Sie vor einem Jahr ge⸗ tragen, Ihnen heute einen andern Schmuck für Ihr Kleid zu geben. Im Namen des Königs überreiche ich Ihnen hier die Inſignien des rothen Adlerordens.

Ifflands Antlitz überzog eine tiefe Bläſſe, und faſt knieend nahm er den dargereichten Stern aus den Händen der Königin entgegen.

Oh, Königin, ſagte er tiefbewegt, eine ſolche Ehre, und dieſe mir, dem Schauſpieler! Ich danke Ew. Majeſtät im Namen aller meiner Kunſtgenoſſen, von denen Ew. Majeſtät in dieſem Moment den Bann hinwegnehmen, der ſie bis jetzt ausſchloß von den Ehren und Würden anderer Männer.

Die Königin lächelte.

Es iſt wahr, ſagte ſie, ich glaube, Sie ſind der erſte Schauſpieler, der in Preußen einen Orden empfängt. Aber ſind Sie nicht auch der erſte Schauſpieler? Doch Sie ſind uns noch das Ende von Ihrer Erzählung ſchuldig geblieben. Sie haben uns die Scene im Theater geſchildert, aber nicht die üblen Folgen, die für Sie daraus entſtanden.

Ach, Majeſtät, rief Iffland lächelnd, die Folgen waren leicht zu ertragen für den ſchönen Moment, den ich erlebt. Man ſperrte mich achtundvierzig Stunden auf der franzöſiſchen Hauptwache bei Waſſer und Brod ein, das war Alles.