Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Die Erzherzogin Marie Louiſe antwortete nur durch einen Schrei und ſchwankte taumelnd an die Wand.

Der Kaiſer nahm ſie in ſeine Arme und ließ ſie ſanft auf den Fauteuil nieder, der in der Niſche ſtand. Marie Louiſens Wangen waren jetzt todesbleich, ihre Augen geſchloſſen, ihre Arme hingen ſchlaff herunter.

Merkwürdig, was die Frauenzimmer leicht in Ohnmacht fallen, murmelte der Kaiſer. Hab' halt die Erfahrung gemacht bei all' mei⸗ nen vier Frauen. Wenn's nichts Beſſeres zu thun und zu ſagen wiſſen, ſo fallen's halt in Ohnmacht. Alle Vier haben's ſo gemacht! Aber ſie wachen doch immer wieder auf, und die Loniſe wird auch aufwachen. Mir iſt's lieber, daß ſie ohnmächtig iſt, als daß ſie jammert und lamen⸗ tirt. Was ſie wiſſen ſoll, weiß ſie jetzt, und wird ſich darnach richten.

Er ſchlug die Vorhänge auseinander und trat wieder in den Saal. Leopoldine, rief er der Erzherzogin zu, geh' einmal da hinein zu Dei⸗ ner Schweſter, der Marie Louiſe. Sie iſt ein biſſel ohnmächtig ge⸗ worden. Aber es hat weiter nichts zu ſagen. Red' ihr zu, daß ſie aufwacht, ohne Aufſehen zu machen, und dann führe ſie auf ihr Zim⸗ mer. Da wird ſie Dir erzählen, was ihr paſſirt iſt.

IV. Der Geburtstag der Rönigin.

Frohſinn und Luſt herrſchte heute in Berlin. Es war der zehnte März, der Geburtstag der Königin, und zum erſten Mal ſeit drei Jahren feierte die Königin dieſen Tag wieder in der Reſidenzſtadt Berlin. Jedermann beeilte ſich daher, der Königin ſeine Liebe, ſeine Theilnahme zu beweiſen, aus allen Ständen waren Geſuche ergangen, zu erlauben, daß man durch Deputationen der Königin ſeine Glück⸗ wünſche darbringe. Die Königin hatte freundlich zugeſagt, und die Mihlbach, Napoleon. II. Bd. 46