Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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Schau ihn Dir recht an, lächelte der Kaiſer, und genire Dich nit, verlieb Dich nur recht in das ſchöne Mannesbild. Denn ich will Dir etwas anvertrauen, Louiſe, es iſt das Portrait Deines zukünftigen Herrn Gemahls.

Das Antlitz der Erzherzogin übergoß ſich mit dunkler Purpur⸗ gluth, und halb beſchämt, halb angſtvoll heftete ſie ihre Augen wieder auf das Bild.

Ja, fuhr der Kaiſer ernſter fort, es iſt das Portrait Deines Ge⸗ mahls, und Du wirſt noch heute ſeinen Abgeſandten empfangen, der bei Dir um Deine Hand werben wird. Meine Einwilligung hat er bereits, und ich weiß, meine Tochter kennt ihre Pflicht und wird gehor⸗ ſam und freudig den Gemahl annehmen, den ich ihr beſtimmt habe.

Ja, flüſterte die Erzherzogin, ich weiß, daß dies meine Pflicht iſt, und ich unterwerfe mich demuthsvoll dem Willen und Befehl meines Herrn und Vaters.

Und es iſt halt eine große Beſtimmung, die das Schickſal Dir giebt, rief der Kaiſer ernſt. Du ſollſt der Welt den Frieden erhalten, meine Tochter, ſollſt das Band der Verſöhnung ſein zwiſchen Denen, die ſich bis jetzt gehaßt und bekriegt haben.

Sire, rief die Erzherzogin angſtvoll, Ew. Majeſtät haben mir noch nicht geſagt, weſſen Portrait dies iſt.

Und wen ich zu Deinem Gemahl beſtimmt habe, ergänzte der Kaiſer. Ich will's Dir jetzt ſagen, aber ſei muthig und ſtandhaft, meine Toch⸗ ter, und denk' daran, daß Du mir unbedingt gehorchen mußt.

Ich werde daran denken, Ew. Majeſtät!

Nun denn! Hab' ich nicht vorher, als ich hier eintrat, gehört, daß die Kinder jubelten, Du habeſt den Kaiſer Napoleon grad' durch's Herz getroffen?

Ich ſpielte mit den Kindern, Majeſtät, und—

Und jetzt ſoll aus dem Spiel Ernſt werden, und Du ſollſt Dich bemühen, den Bonaparte in's Herz zu treffen, daß er Dich liebt und

Dir vertraut. Denn ſchau einmal, meine Tochter, dies Bild, das Du ſo ſchön fandeſt, es iſt halt das richtige und ſehr ähnliche Portrait des Kaiſers Napoleon, und Er wird Dein Gemahl werden.

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