Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 4. Band (1859)
Entstehung
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III. Die Erzherzogin Marie Pouiſe.

Die kaiſerlichen Prinzen und Prinzeſſinnen hatten eben, wie das ſeit Kaiſer Joſephs Zeiten am Kaiſerhofe eingeführt war, gemeinſchaft⸗ lich ihr Diner eingenommen und verweilten noch zuſammen in dem großen Speiſeſaal, der zugleich der Tummelplatz der gemeinſchaftlichen Spiele der kaiſerlichen Kinder war. Kaiſer Franz, ſeit einiger Zeit zum dritten Mal vermählt, hatte doch nur von ſeiner zweiten Gemahlin Kinder erhalten, aber die Zahl derſelben war groß genug, um den Fortgang der Dynaſtie zu ſichern und zugleich einige andere Regenten⸗ häuſer mit ſchönen Fürſtinnen zu verſehen. Fünf Töchter und zwei Söhne waren die Hinterlaſſenſchaft der zweiten Gemahlin des Kaiſers Franz, und von dieſen ſieben Kindern war die ſiebenzehnjährige Erz⸗ herzogin Marie Louiſe das älteſte. Aber, obwohl alſo erwachſen, liebte ſie es, mit ihren jüngeren Geſchwiſtern zuſammen zu ſein, und ſehr häufig pflegte ſie daher, nach eingenommenem Diner, noch ein wenig im Kreiſe der Geſchwiſter zu verweilen, um Theil zu nehmen an ihren Spielen und Geſprächen.

Auch heute hatte die Erzherzogin, ſtatt mit ihrer Oberhofmeiſterin in ihre Gemächer zurückzukehren, es vorgezogen, noch ein wenig im großen Familienſaal bei den Geſchwiſtern zu verweilen. Während die jüngeren Prinzen und Prinzeſſinnen an einem großen Tiſch von Eichen⸗ holz mit gemeinſchaftlichen Spielen beſchäftigt waren, hatten ſich die beiden älteſten Prinzeſſinnen, die Erzherzoginnen Marie Louiſe und Leopoldine, in eine der tiefen Fenſterniſchen zurückgezogen, um ungeſtört mit einander zu plaudern.

Es war ein ſchönes Bild, dieſe beiden jungen Mädchen zu ſehen, die da von dem Fenſtergeſims und den Sammetvorhängen wie in einem Rahmen eingefaßt ſtanden, und deren liebliche, jugendfriſche Geſichter von dem durch das Fenſter hereinfallenden Tageslicht mit wunderbaren Reflexen beleuchtet wurden. Beide ſtanden ſie in voller Jugendblüthe,

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