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Wald und erſchreckte die träumenden Vögel in den Zweigen, und di Ln bleichen Männer, die da hinter den Bäumen ſtanden und düſter dem dahin 6 dahin rollenden Wagen nachſchauten. vu ſein
Der Wagen verſchwand in der Ferne.— Heiter plaudernd ſaß gücliche Napoleon neben dem Prinzen Wilhelm, nicht ahnend, daß dieſer, der 5 Bruder des Königs von Preußen, den Napoleon ſo tief und ſo viel Zue
gekränkt, ihm eben das Leben gerettet hatte.*) mterſchr
Es iſt wieder mißlungen, ſeufzte Alfred, als das Geräuſch der Wagenräder jetzt in der Ferne verhallte. Der achte Tag iſt faſt zu Ende. Was werden wir den Brüdern antworten, wenn ſie uns fragen, wie wir den Befehl erfüllt haben, den Germania uns durch den Mund
unſeres Präſidenten geſandt? Was werden wir ihnen erwiedern, wenn
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und ver
ſie uns zur Rechenſchaft fordern? Wir werden ihnen ſagen, Gott habe es nicht gewollt, daß die Oeſterr
heilige Sache Germania's durch Meuchelmord entweiht werde, rief In
Conrad ernſt. Wir werden ihnen ſagen, daß wir, getreu unſerem kehrten Schwur, obwohl mit widerſtrebendem Herzen, die That haben voll⸗ erreicht.
führen wollen, aber daß Gott unſern Arm gehalten und unſere Kraft Al
gelähmt hat. Du wirſt ihnen das ſagen, mein Bruder, Du allein, machtvo
Du wirſt ihnen ſagen, daß ich des Schwurs nicht vergeſſen, den ich und ge
am Tage meines Eintritts in den Bund auf die heilige Bibel geleiſtet des We
habe, des Schwurs: dem Bunde zu gehorchen, oder zu ſterben! Da ich vollem
nicht habe gehspchen können, ſo ſterbe ich! Lebe wohl, mein Bruder! R Ein Schuß knallte. Mit einem lauten Schrei ſprang Alfred über blieben
den Weg hin zu ſeinem Bundesbruder. Conrad lag am Boden, die lihe g Kugel war ihm gerade durch die Bruſt gegangen. die Hi
Lebe wohl, Germania, unglückliche Germania! hauchten ſeine er⸗ zn B
blaſſenden Lippen.— Tiefe Stille herrſchte im Wald. Kein Laut ließ ſich ringsum ver
nehmen, kein Vogel flog vorüber, kein Wagen rollte daher. Einſam
und ſtill lag die Leiche Conrads auf dem gelben Herbſtlaub, das ge⸗ brochene Auge zum Himmel emporſtarrend.
S
*) v. Müffling: Aus meinem Leben. S. 27.


