Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 3. Band (1859)
Entstehung
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Einmal, wie er eben in glühenden Worten über die richtige Art der Kriegführung ſprach, traf das flammende Auge Napoleons ganz zufällig das Antlitz Berthiers, des Fürſten von Neufchatel. Er ſah ſeine finſter zuſammengezogenen Augenbrauen und den unzufriedenen Ausdruck ſeiner Mienen.

Als er zum Beginn der Haſenjagd, nach dem Spaziergang über das Schlachtfeld, ſich in ſein Zelt begab, rief Napoleon den Marſchall Berthier zu ſich in das Zelt.

Berthier, ſagte er, weshalb machten Sie vorher ein ſo böſes und zorniges Geſicht?

Sire, ſtotterte Berthier verlegen, ich weiß nicht, daß ich es that.

Aber ich weiß es. Weshalb waren Sie unzufrieden? Ich will es wiſſen! Reden Sie! Ich befehle es Ihnen!

Nun, wenn es Ew. Majeſtät befehlen, ſo werde ich reden! rief Berthier ungeſtüm. Ew. Majeſtät ſchienen vorher das vergeſſen zu haben, was Sie uns ſo oft wiederholen, daß man nämlich mit ſeinen Alliirten immer ſo umgehen müſſe, als würden ſie ſpäter unſere Feinde werden! Fürchten Ew. Majeſtät nicht, daß die Souveraine eines Tages von den ſchönen Lehren, die Ew. Majeſtät ihnen heute gegeben, pro fitiren könnten?

Der Kaiſer lächelte. Berthier, ſagte er freundlich, das iſt wahr⸗ haftig ein kühner Vorwurf, und deshalb gefällt er mir. Ich glaube, Gott verzeih mir, daß Sie mich für einen unbeſonnenen Schwätzer halten. Sie glauben alſo, Herr Fürſt von Neufchatel, fuhr er fort, indem er ſich dichter zu Berthier neigte und ihn ſo heftig am Ohr zupfte, daß dieſes hoch aufſchwoll, Sie glauben alſo, daß ich dieſen deutſchen Fürſten heute Ruthen in die Hand gegeben habe, damit ſie einſt kommen und uns peitſchen könnten? Seien Sie ruhig, ich ſage ihnen nicht Alles!*)

Und mit einem fröhlichen Lachen ſchlug Napoleon die Zeltthür wieder auf und gab das Zeichen, daß die Jagd beginnen ſolle.

Tiefe Stille herrſchte in dem kleinen Gehölz des Webicht, das

*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Constant, Mémoires. 1V. S. 84.