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ſtets gütige und helfende Freundin, willſt Du mir auch jetzt wieder
Deine Hand leihen und mein Secretair ſein? Die Freiherrin ſchaute ihn mit einem langen, ſchmerzlichen Liebes⸗ blick an. Ich leſe in Deinen Augen, ſagte ſie wehmüthig, daß Dein
Entſchluß gefaßt iſt, und daß, wenn ich ſelbſt für mich und die Kinder
bitten wollte, all' mein Flehen doch vergeblich ſein würde. Wir werden Dich wieder auf lange Zeit entbehren müſſen, Dein Haus und mein Herz werden vereinſamen, und nur meine Gedanken und die Augen meiner Seele werden mit Dir ziehen und Dich ſchauen! Aber ich darf kaum wünſchen, daß Du anders beſchlöſſeſt. In dieſen Tagen des all⸗ gemeinen Unglücks ziemt es dem deutſchen Patrioten nicht, ſich für ſich ſelber in das ſtille Glück des Hauſes retten und ſein Ohr dem Hülfe⸗ ruf des gequälten deutſchen Vaterlandes verſchließen zu wollen. Dein Herz, das weiß ich, gehört mir! Dein Geiſt und Deine Kräfte ge⸗ hören der Welt. Gehe alſo hin, mein Geliebter, und thue Deine Pflicht, ich will die meinige erfüllen.
Sie drückte einen leiſen Kuß auf die Stirn ihres Gemahls und trat dann zu dem Tiſch am Fenſter, auf welchem Papier und Schreib⸗ geräth ſich befand.
Dein Secretair iſt bereit, ſagte ſie, die Feder nehmend, dictire mir jetzt.
Herr von Stein hatte ſich aufgerichtet, und mit feſter, hallender Stimme dictirte er:
„An des Königs Majeſtät!
Ew. Königlichen Majeſtät Allerhöchſte Befehle wegen des Wieder⸗ eintritts in Dero Miniſterium der inländiſchen Angelegenheiten ſind mir durch ein Schreiben des Cabinets⸗Miniſters Hardenberg, de dato Memel den 10. Juli, am 9. Auguſt zugekommen. Ich befolge ſie un⸗ bedingt und überlaſſe Ew. Königlichen Majeſtät die Beſtimmung jedes Verhältniſſes, es beziehe ſich auf Geſchäfte oder Perſonen, mit denen Ew. Königliche Majeſtät es für gut halten, daß ich arbeiten ſoll. In dieſem Augenblick des allgemeinen Unglücks wäre es ſehr unmoraliſch, ſeine eigene Perſönlichkeit in Anrechnung zu bringen, um ſo mehr, da Ew. Majeſtät ſelbſt einen ſo hohen Beweis von Standhaftigkeit geben


