Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 3. Band (1859)
Entstehung
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Er erbrach haſtig den Brief der Prinzeſſin Louiſe und begann ihn zu leſen. Aber bald wieder entſank das Blatt ſeiner Hand, tiefe Bläſſe überdeckte ſeine Wangen und halb ohnmächtig ließ er ſein Haupt in die Kiſſen zurückſinken.

Ach, murmelte er ſchmerzlich, ich vergaß, daß ich ein armer kranker Mann bin! Ich kann nicht leſen, die Buchſtaben ſchwimmen vor mei⸗ nen Augen.

Aber dieſe Schwäche dauerte nur einen Moment, dann hob Stein ſein Haupt wieder empor und wandte ſeine Blicke mit einem zärtlichen Ausdruck zu ſeiner Gattin hin, welche neben ſeinem Bett ſaß und in ängſtlicher Spannung jeder ſeiner Bewegungen gefolgt war.

Liebe Wilhelmine, ſagte er, Du warſt in den letzten Wochen ſo oft mein Secretair und haſt mit Deinen holden Lippen mir ſo oft die böſen Nachrichten erträglich gemacht, willſt Du mir jetzt auch einmal gute und erfreuliche Briefe vorleſen?

Die Freiherrin neigte ſich zu ihm hin und drückte ſtatt aller Ant⸗ wort einen Kuß auf ſeine Stirn. Dann nahm ſie den Brief und las:

Ihr Freund Hardenberg, und vor ihm die Zeitungen, werden Sie von dem traurigen Ende aller Hoffnungen unterrichtet haben. Muthloſigkeit und Schwäche vielmehr, als das Glück unſerer Feinde, haben uns unterjocht, und der Austritt Hardenbergs, den er ſich ſelbſt auferlegt, um noch durch dieſes Opfer zu nützen und ſeinem Herrn die Beſchämung deſſelben zu erſparen, läßt uns unſere Knechtſchaft ziemlich fühlen. Ich habe verſprochen, Ihnen über dieſen Herrn zu ſchreiben, Ihnen zu ſagen, und ich ſage es mit Wahrheit, daß er in dieſem Augenblick unſere ganze Theilnahme verdient, daß ſein Muth und ſeine Feſtigkeit durch unſere letzten Unfälle nicht erſchüttert worden, daß er zu allen Opfern bereit war und von dem Gedanken durchdrungen, daß es beſſer ſei, edel zu fallen, als mit Schande zu leben. Er hatte ſich Ihrem Freunde Hardenberg aufrichtig angeſchloſſen, ünd gerade in dieſem Augenblick, wo Alles ihn verläßt, wo er weder Macht noch Willen hat, verliert er noch dieſen erprobten Freund, und dieſer Freund verläßt ihn aus Anhänglichkeit an dieſes Land und ſeinen Herrn mit

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