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ich bin nur noch der Schatten des friſchen, kräftigen Mannes, der vor einigen Monaten in Königsberg von Ihnen Abſchied nahm? Sie ſehen, ich kann noch immer meine Sympathieen für Preußen nicht aufgeben, ich eifere ihm in allen Stücken nach. Preußen iſt auch nur noch ein Schatten von Dem, was es vor kurzer Zeit noch war, es kämpft auch ſeinen Todeskampf und wird ihm erliegen, wenn nicht ein ſtarker Arm es bald wieder aufrichtet.
Aber dieſer ſtarke Arm wird kommen und wird Preußen aufrichten, ſagte Herr von Schladen.
Sie glauben es? fragte der Kranke. Wollte Gott, daß Sie Recht haben. Aber Alles, was ich höre, iſt trübe und verzweiflungsvoll; wir leben in einer Zeit der Erniedrigung und Knechtſchaft, in der die Männer nichts Beſſeres und Heilbringenderes thun können, als ſich in das Grab zu retten, weil ſie dort allein noch die Freiheit finden können. Sie ſehen, daß ich mich ſchon zu dieſer letzten Rettung hinneige! Aber wir wollen jetzt nicht von mir ſprechen, ſondern von Ihnen. Was führt Sie hierher? Welchem glücklichen Zufall verdanke ich Ihren Beſuch? Mein Arzt ſagte mir, Sie ſeien auf der Durchreiſe begriffen, und da Sie von meiner Krankheit gehört, wünſchten Sie mich zu ſehen. Welches iſt das Ziel Ihrer Reiſe?
Ich kehre wieder zurück nach Memel zu dem preußiſchen Königs⸗ paar, ſagte Herr von Schladen.
Ah, Sie ſind ein treuer Diener, ſeufzte Herr von Stein, und Sie ſind zu beneiden, denn man nimmt Ihre Dienſte an, man begegnet Ihnen nicht mit Hohn und Spott, man behandelt Sie nicht mit über⸗ müthiger Verachtung und legt Ihnen Ihren Eifer und guten Willen nicht als Böswilligkeit und Eigendünkel aus. Wahrlich, Sie ſind zu beneiden, denn Sie können helfen mit Ihrem Arm, Ihrem Kopf und Ihrem Herzen, auf daß dieſes Preußen, welches jetzt darniederliegt, ſich wieder erhebe und wieder aufſtehe aus dem Schutt und den Trüm⸗ mern. Sie ſind nicht verdammt, unthätig und müßig bei Seite zu treten und nutzlos Ihre Tage zu verträumen, ſtatt in der Arbeit und nützlichen Thätigkeit ſich Troſt und Erfriſchung zu ſuchen. Oh, ich ſage es noch einmal, Sie ſind zu beneiden!


