Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 3. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Wichtig

Mo Wel

Schladen.

jn pie n die

405

ſo wird das für ihn eine heilbringende Arzenei ſein und Sie werden mit Ihrer Kriegsnachricht doch als Friedensengel an ſein Lager treten. Kommen Sie aber nur, um die ſchlimmen Nachrichten, die ihn dar⸗ niedergeworfen, zu beſtätigen, ſo wird Ihre Erſcheinung den Stachel nur noch tiefer in ſein Herz ſtoßen und er kann daran verbluten.

Ich komme nicht mit Kriegsnachrichten, ſagte Herr von Schladen traurig, ich bringe nicht die goldene Botſchaft, daß der Frieden von Tilſit zurückgenommen iſt, vielmehr laſtet er auf Preußen mit ſeiner ganzen Schwere und ſeinem tiefen Unheil. Ich kann daher nicht, wie Sie ſagen, als ein Friedensengel an das Lager des Kranken treten. Aber ich komme doch auch nicht, um blos der krächzende Rabe unſeres Unheils zu ſein und die ſchlimmen Nachrichten zu beſtätigen. Ich komme im Namen und im Auftrage Preußens, ich komme, um den Freiherrn von Stein an die Worte zu mahmen, die er in der Stunde des Schei⸗ dens zu der Königin von Preußen geſagt hat. Sie, mein Herr, Sie als der Arzt können jetzt allein entſcheiden, ob ich den Freiherrn von Stein ſprechen und ihm meine Mittheilungen machen darf, oder ob ich ſchweigen muß. Deshalb aber muß ich Ihnen ſagen, weshalb ich ge⸗ kommen bin. Sie erlauben es, nicht wahr, gnädige Frau?

Ich bitte S mein ganzes Herz ſehnt ſich Ihren Worten entgegen!

ie darum, rief Frau von Stein. Oh, ſprechen Sie,

Ich komme zu dem Freiherrn von Stein, nicht in meinem Namen und blos aus der Sehnſucht der Liebe und Achtung, die ich für ihn empfinde, ſagte Herr von Schladen feierlich, ſondern ich komme im Namen des Königs und der Königin. Ich bringe Briefe vom Miniſter von Hardenberg, von der Prinzeſſin Louiſe von Radziwill und dem General von Blücher, mündliche Aufträge von Ihrer Majeſtät der Königin. Ich bin Tag und Nacht gereiſt, um ſobald wie möglich meine Briefe in die Hände des Freiherrn niederlegen und mich meiner Aufträge entledigen zu können. Und jetzt, da ich hier anlange, finde ich den Mann, auf den wir Alle hoffen, der Preußens einziger Troſt und Halt iſt, krank und bettlägerig. Sie werden mir vielleicht ſogar ſeine Thür verſchließen und alle die Grüße der Liebe, die Bitten und Beſchwörungen, deren Organ ich bin, werden nicht zu ihm gelangen