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digſte Opferlamm darſtellt und doch Schuld trägt an dieſem ganzen Kriege? Vergeſſen Ew. Majeſtät nicht, daß die Königin von Preußen die eigentliche Anſtifterin dieſes Krieges iſt, daß ſie ihren Gemahl zu demſelben aufgereizt. Vergeſſen Ew. Majeſtät nicht, daß Sie im Königsſchloß zu Berlin mit einem feierlichen Eide gelobt haben, der Königin zu vergelten und Rache zu üben für ihre Kriegsluſt, Rache für den Schwur am Grabe Friedrichs des Großen!
Napoleon zuckte zuſammen und warf einen flammenden Zornesblick auf Talleyrand. Dieſer ließ ſich dadurch nicht irre machen. Ah, rief er mit ſeinem ironiſchen Lächeln, wie würde die Königin mit ihrem Gemahl und dem Kaiſer Alexander über Ihre Weichmüthigkeit trium phiren, wie würde die Welt ſtaunen über die Schwäche des großen Feldherrn, der, ſtatt ſeine Siege zu benutzen, ſich von den Thränen und der anſcheinenden Demuth der Beſiegten dupiren läßt, und—
Genug, unterbrach ihn Napoleon mit mächtiger Stimme, genug, ſage ich!
Er ging wieder heftig einige Male auf und ab, dann blieb er, die Hände auf dem Rücken gefaltet, wieder vor Talleyrand ſtehen.
Rufen Sie ſogleich den Grafen Goltz, ſagte er gebieteriſch, ver künden Sie ihm unſer Ultimatum! Erklären Sie ihm mit dürren und einfachen Worten in meinem Namen, Alles, was ich der Königin ge ſagt habe, ſeien nur höfliche Phraſen geweſen, die mich zu nichts ver pflichteten, und ich ſei und bliebe feſt entſchloſſen, dem König die Elbe als Grenze zu geben.
Sagen Sie ihm, fuhr er fort, es ſei nicht mehr die Rede da von, zu unterhandeln, ich hätte bereits Alles mit dem Kaiſer Alexander verabredet, und der König danke ſeine Stellung nur der ritterlichen Anhänglichkeit dieſes Monarchen, da ohne dieſen mein Bruder Hiero nymus König von Preußen geworden wäre und ich die jetzige Dynaſtie verjagt hätte.*) Sie kennen jetzt meine Entſchließungen, handeln Sie darnach, und damit dieſe Plackereien endlich ein Ende haben, beeilen
v. Schladens Tagebuch, S. 261.
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