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men Sie die ganze Sache. Ich will und fordere, daß die Friedenstraktate
ele ſchon morgen unterzeichnet werden. Ach, die Königin Louiſe ſoll ſich wohl überzeugen müſſen, daß ihre Schönheit und ihre Thränen keinen Einfluß auf mich üben. Wir wollen endlich ein Ende machen, und es iſt ihre Schuld, wenn dies Ende ihr Thränen koſtet.*)—
Preußens Schickſal war alſo entſchieden. Das große Opfer, das die Königin mit ſo tiefem Schmerz und ſo vielem innern Widerſtreben gebracht, es war nutzlos geweſen. Sie hatte ſich vergeblich vor dem ſtolzen, triumphirenden Sieger gebeugt.
Am neunten Juni 1807 ward in Tilſit der Frieden zwiſchen Frank⸗ reich und Preußen unterzeichnet.
Durch dieſen Frieden verlor der König Friedrich Wilhelm alle ſeine Beſitzungen jenſeits der Elbe, die Altmark, Magdeburg, Hildes⸗ heim, Weſtphalen, Oſtfriesland, Erfurt, das Eichsfeld und Baireuth.
Außerdem nahm man ihm noch ganz Südpreußen, Neu⸗Oſtpreußen, einen Theil von Weſtpreußen, den Culmer Kreis, die Stadt Thorn mit inbegriffen, die Hälfte des Netzdiſtrictes und die Stadt Danzig, welche mit einem Umkreis von einer deutſchen Meile zur freien Reichs⸗ ſtadt erklärt ward.
Ferner erkannte durch dieſen Frieden der König den Rheinbund an, bewilligte den Königen von Holland und Weſtphalen, den Brüdern Napoleons, ſeine Anerkennung, und verpflichtete ſich, ſeine Häfen den Engländern zu verſchließen.
Und dieſen Frieden erhielt Preußen, wie es ausdrücklich in der Friedensacte hieß,„nur aus Achtung für den Kaiſer aller Reußen und um den aufrichtigen Wunſch zu bethätigen, beide Nationen durch un⸗ auflösliche Bande des Verttäuens und der Freundſchaft zu verbinden.“
Preußen verlor durch dieſen Frieden die Hälfte ſeines Gebietes, und von den zehn Millionen Unterthanen des Königs verblieben ihm nur noch fünf Millionen.
E Rußland, das ſchon einen Tag früher mit Frankreich den Frieden
*) PThiers, Histoire ete. Vol. VII. S. 531.


