Napoleon hob ſeine Augen zu ihr empor und der düſtere Ernſt ſeiner Blicke ſänftigte ſich. Es iſt wahr, ſagte er, Ihre Söhne, Ma⸗ dame, ſind zu beneiden um eine ſolche Mutter. Sie werden Ihnen viel Dank ſchuldig ſein, denn Sie werden es ſein, Madame, welche durch Ihre edle Beredtſamkeit und Ihre impoſante Haltung Preußen gerettet hat.“) Ich wiederhole es Ihnen noch einmal: ich werde thun, was ich vermag, um Ihre Wünſche zu erfüllen! Wir werden noch weiter darüber ſprechen! Für heute habe ich die Ehre, mich Ew. Ma⸗ jeſtät zu empfehlen.
Er reichte der Königin ſeine Hand dar, Louiſe legte ſanft und leiſe ihre Hand in die ſeine. Sire, ſagte ſie tief bewegt, ich hoffe, daß, nachdem ich das Glück gehabt, dem Heros des Jahrhunderts und der Geſchichte mich zu nahen, er mir das Recht und die Genugthuung gönnen wird, ſeiner immer mit Dankbarkeit und Bewunderung zu gedenken.**)
Napoleon neigte ſchweigend ſein Haupt und berührte mit ſeinen Lippen ihre Hand. Dann nahm er mit einer ſtummen Verbeugung Abſchied von dem König und verließ das Gemach.
Oh, rief die Königin, als ſie wieder allein war mit ihrem Ge⸗ mahl, vielleicht bin ich doch nicht umſonſt hier geweſen, vielleicht hat Gott meinen Worten Kraft verliehen und ſie haben das Herz des Ge⸗ waltigen gerührt, daß er unſere gerechten Forderungen anerkennen muß und davor zurückbebt, zum Ränber an unſerem Eigenthum zu werden! Gieb das, mein Gott, und mein ganzes Leben ſoll ein Dank gegen Dich ſein!—
Napoleon war indeß ernſt und ſchweigend in ſeine Reſidenz zurück⸗ gekehrt, begleitet von Talleyrand, an den er auch nicht ein einziges Mal während des Weges das Wort gerichtet hatte.
Als aber der Miniſter, bei ihrem Eintritt in das Schloß, mit einer ſtummen Verbeugung ſich entfernen wollte, hielt der Kaiſer ihn mit einem gebieteriſchen Wink ſeiner Hand zurück.
*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Le Normand, II. S. 106. **) Mémorial de St. Helène. S. 134.


