Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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mals beiſtimmen könnte, ſagte der König ſtolz. Auch beklage ich nicht blos den mir angedrohten Verluſt meiner Provinzen, weil dadurch ſelt meine Grenzen ſich verengen, ſondern weil es die angeſtammten Pro⸗ hune vinzen meines Hauſes ſind, mit meinen Ahnherren ſchon verbunden tu durch unauflösliche Bande der Liebe und Treue. u Sie ſehen, daß dieſe Bande doch nicht unauflöslich ſind, rief uitet Napoleon, denn wir werden ſie löſen, und Sie werden ſich darüber * tröſten, wenn Sie Erſatz dafür erhalten. neit Es mag ſein, daß Andere ſich leichter über dergleichen Verluſte ſſi tröſten können, ſagte der König ſtolz, Andere, denen es nur um den

Beſitz an ſich zu thun iſt, und die nicht wiſſen, was es heißt, ange⸗. ine ſtammte Länder zu verlieren, in denen die theuerſten Erinnerungen der Jugend Wurzel gefaßt und die man ſo wenig vergeſſen kann, als eſ ſeine Wiege. Was Wiege! rief Napoleon, ſpöttiſch auflachend. Wenn das Kind ein Mann geworden, hat es keine Zeit mehr, an ſeine Wiege zu denken.*) 1 Doch, doch, ſagte der König, mit einem zürnenden Ausdruck in 3 Blick und Ton. Seine Jugend kann man weder vergeſſen noch ver⸗ leugnen, und ein Mann von Herz erinnert ſich dankbar der Wiege, in 1

der er als Kind gelegen.**) Napoleon erwiederte nichts und blickte ernſt und düſter vor ſich dit hin, während Friedrich Wilhelms Augen feſt und mit trotzigem, heraus⸗ Got forderndem Ausdruck auf ihn gerichtet waren. wal Die Königin fühlte, daß es an ihr ſei, einem noch heftigeren Aus⸗ zd bruch des Unwillens Friedrich Wilhelms zuvorzukommen und Napoleon Gie zu beſänftigen. Dit

Die eigentliche Wiege iſt doch das Mutterherz, ſagte ſie ſanft, und daß Ew. Majeſtät dieſe auch nicht vergeſſen, das weiß ganz ſel Europa, denn ganz Europa kennt die ehrfurchtsvolle Liebe des großen Ma

3 Herrſchers von Frankreich zur Madame Lätitia, die ganz Frankreich

als die edle Madame Mutter grüßt. ein mit

*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Königin Louiſe, S. 310

**) Des Königs eigene Worte. Siehe ebendaſelbſt.