Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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Deſſen anzunehmen, dem ſie in ihrem Herzen niemals eine wahre Freund⸗ ſchaft gewähren konnte. Sie hob langſam ihre großen blauen Augen zu ihm empor und blickte faſt ſchüchtern in das lächelnde, ſtrahlende Antlitz Napoleons.

Sire, ſagte ſie leiſe, fügen Sie dieſem Pfand Ihrer Freundſchaft noch ein anderes hinzu, damit ich dieſe Roſe annehmen kann.

Das Lächeln auf ſeinem Antlitz erblaßte und ein Schatten flog über ſeine Stirn. Erinnern Sie ſich, Madame, ſagte er hart, daß ich es bin, welcher gebietet, und daß Sie nur die Wahl haben, abzu⸗ lehnen oder anzunehmen.*) Wollen Sie dieſe Roſe annehmen, Majeſtät?

Sire, ſagte die Königin mit bebenden Lippen, mit Thränen in den Augen, Sire, geben Sie ſie mir mit einem andern Unterpfand Ihrer Freundſchaft. Geben Sie mir Magdeburg für meine Kinder!

Napoleon warf die Roſe unſanft auf den Tiſch.

Ach, Madame, ſagte er heftig, Magdeburg iſt kein Spielzeug für Kinder!**)

Er wandte ſich ab und ging heftig wieder im Zimmer auf und ab, während die Königin, kaum noch im Stande, ihre Thränen zurück⸗ zuhalten, geſenkten Hauptes daſtand, demüthig und ſtill, wie eine opfer⸗ bereite Dulderin.

Napoleons glühender Blick fiel im Vorübergehen nur wie zufällig auf ihre Geſtalt, und der Anblick dieſer ſchönen, ſchmerzbewegten und in ihrem Schmerz ſo hoheitsvollen und ſanften Königin rührte ihn und erinnerte ihn an Joſephine.

Er ſtand vor der Königin ſtill und ſein Blick ſänftigte ſich. Ver⸗ geben Sie es mir, wenn ich heftig war, ſagte er milde. Ich kann Ihnen Magdeburg nicht geben, aber ſeien Sie überzeugt, daß ich, was in meinen Kräften ſteht, thun will, um Ihr Loos zu mildern und Ihre Wünſche zu erfüllen. Der Kaiſer Alexander kennt meine Wünſche für

*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Constant, Mémoires III. 293.

**) Napoleons eigene Worte. Siehe: Hormayr, Allgemeine Geſchichte der neueſten Zeit. Th. II. 25*