Und
Körig,
Monarchie Preußen wurzelt in dem Herzen des preußiſchen Volks! Oh, wollen Ew. Majeſtät ſie nicht entwurzeln! Wollen Sie in uns die Krone ehren, die ſo ſtrahlend und herrlich Ihr eigenes Siegerhaupt ſchmückt! Die Fürſten vor allen Dingen müſſen vor einander Ehrfurcht hegen, damit auch ihre Völker ſie niemals verlieren; die Fürſten müſſen einander aufrichten und ſtärken, damit ſie wie ein geſchloſſener, feſter Phalanx diejenigen bekämpfen können, die jetzt ſich bewaffnen mit den ſogenannten Ideen der Neuzeit, mit dieſen Ideen, welche Ludwigs und Maria Antoinettens Haupt auf das Blutgerüſt ſchleuderten. Sire, die Häupter aller Fürſten ſind ſterblich, und deshalb iſt Einigkeit nöthig. Es heißt aber nicht ſeine eigene Macht erhöhen und ſtärken, wenn man die der Andern ſchwächt, es heißt nicht ſeiner eigenen Krone Glanz verleihen, wenn man eine andere Krone verdunkelt. Oh, Sire, im Namen aller Monarchieen, ja ſogar im Namen Ihrer eigenen, die jetzt ſo glänzend und hell über die ganze Welt hinſtrahlt, bitte ich für die preußiſche Monarchie, für unſere Krone, unſer Volk und unſere Grenzen!
Und bei Gott, ſagte Napoleon aufſtehend, die preußiſche Monarchie und das preußiſche Volk hätten keinen ſchöneren und beredteren Anwalt finden können, als Ew. Majeſtät!
Mit lebhaften Schritten, die Hände auf dem Rücken gefaltet, ging der Kaiſer einige Male im Zimmer auf und ab. Die Königin hatte ſich, gleich ihm, erhoben; aber ſie blieb unbeweglich ſtehen und blickte nur erwartungsvoll und bang hinüber zu Napoleon, deſſen eherne Stirn jetzt wie von einem milden Sonnenglanz beleuchtet ſchien, und deſſen kaltes Cäſarenangeſicht jetzt wie von einem roſigen Schein menſchlicher Rührung angehaucht war.
Plötzlich blieb er vor der Königin ſtehen und ſeine Augen ruhten auf ihr mit einem Ausdruck glühender Bewunderung.
Majeſtät, ſagte er, ich glaube, Sie haben mir da Mancherlei ge⸗ ſagt, was noch Niemand mir zu ſagen gewagt hat, Mancherlei, was vielleicht meinen Zorn reizen konnte. Manches bittere Wort iſt von Ihren Lippen ertönt und manche prophetiſche Drohung. Dies beweiſt mir, daß Sie wenigſtens Achtung vor meinem Character haben und
Mühlbach, Napoleon. II. Bd. 25


