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Die Königin richtete ihr Haupt höher empor und ein Blitz flammte in ihren Augen auf. Sire, ſagte ſie raſch und ſtolz, Sire, dem Ruhm Friedrichs war es erlaubt, uns über unſere Kräfte zu täuſchen, wenn wir uns überhaupt getäuſcht haben.*)
Sie haben ſich wenigſtens darin getäuſcht, daß Sie hofften, mich beſiegen zu können, rief Napoleon rauh. Dann aber, als beſänne er ſich und wolle ſeine Rauhheit wieder gut machen, verneigte er ſich vor der Königin und fuhr mit einem verbindlichen Ausdruck fort: Ich ſpreche von Preußen und nicht von Ihnen, Königin. Ew. Majeſtät ſind ſicher, Jedermann beſiegen zu können! Man hat mir wohl geſagt, daß ich eine ſchöne Königin ſehen würde, aber ich finde die ſchönſte Frau der Welt!**)
Ich bin weder ſo eitel, das zu glauben, noch ſo ehrbegierig, das zu wollen, ſagte die Königin ſanft. Ich bin hierher gekommen in mei⸗ ner Eigenſchaft als die Gemahlin des Königs, als Mutter meiner Kinder, als Vertreterin meines Volkes!
Ach, rief Napoleon verbindlich, eine ſo herrliche Volksrepräſentation kann ſich Preußen ſchon gefallen laſſen!
Sire, Preußen muß ſich jetzt viel gefallen laſſen, ſeufzte die Kö⸗ nigin, es hat ſeine Söhne und Männer auf den Schlachtfeldern ver⸗ loren, die Ihnen Lorbeern, uns aber nur Niederlagen und Enttäuſchungen
gebracht, es hat ſeinen Wohlſtand eingebüßt, ſeine Aecker ſind verwüſtet, ſeine Vorräthe aufgezehrt, troſtlos ſchaut es in die Zukunft; nichts iſt ihm geblieben, als die Hoffnung! Sire, laſſen Sie dieſe Hoffnung nicht umſonſt geweſen ſein; vergeben Sie es uns, daß wir nicht Furcht hatten vor Ihrem Alles bezwingenden Genie, Ihrem machtvollen Sie⸗ gerſchritt. Es iſt für uns ſchon genug des Unglücks, daß wir Sie und uns verkannten, aber wir ſind gedemüthigt dafür. Möge es jetzt genug ſein. Sie haben uns die Hand des Siegers fühlen laſſen, jetzt laſſen Sie uns auch die Großmuth des Genius empfinden und aner⸗ kennen, Sire. Ew. Majeſtät werden nicht Diejenigen in den Staub *) Dieſe Antwort der Königin, ſowie die Frage Napoleons iſt hiſtoriſch. **) Napoleons eigene Worte. Siehe: Le Normand, II. S. 105.
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