Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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Es iſt wahr, ſagte Napoleon, Ihr Preußen iſt etwas kalt, es liegt zu nahe an Rußland und hat ſich zu ſehr von dem ruſſiſchen Athem anwehen laſſen!

Louiſe gab ſich den Anſchein, dieſe Anſpielung auf die Politik Preußens nicht zu verſtehen, und ſich mit einem ſanften Lächeln zu dem Kaiſer neigend, bat ſie ihn, auf dem Divan Platz nehmen zu wollen.

Der Kaiſer reichte ihr die Hand und führte ſie zu demſelben hin.

Setzen wir uns, ſagte er mit einem leiſen Ausdruck von Hohn. Sie haben mich ſo lange als Ihren Feind gehaßt, daß Sie mir jetzt wohl ein kleines Zeichen Ihrer veränderten Geſinnung geben und mir erlauben müſſen, in Ihrer nächſten Nähe zu ſitzen.

Er deutete auf den Divan hin, und nachdem die Königin ſich ge⸗ ſetzt hatte, nahm er dicht neben ihr Platz. Dann, leiſe das Haupt zu ihr neigend, ſchaute er ſie mit feſten, durchbohrenden Blicken an, und ſchien zu erwarten, daß ſie die Converſation auf's Neue beginne.

Die Königin fühlte, wie ihre Wangen erbleichten, wie ihr Herz bebte, aber ſie ſtand jetzt vor dem Moment der Entſcheidung, und all ihren Muth, ihre Entſchloſſenheit zuſammenraffend, wollte ſie ihn nicht ungenutzt vorübergehen laſſen.

Langſam und mit einem unendlich rührenden Ausdruck hob ſie den Blick zu dem Kaiſer empor. Sire, ſagte ſie mit leiſer, zitternder Stimme, Sire, wollen mir Ew. Majeſtät erlauben, Ihnen zu ſagen, weshalb ich hierher gekommen bin?

Napoleon nickte leiſe und ſchaute ſie ſtarr und unverwandt an.

Ich bin gekommen, fuhr die Königin fort, um von Ew. Majeſtät für Preußen einen vortheilhafteren Frieden zu erbitten. Sire, ich ſage zu erbitten! Ich will nicht von unſerem Recht, von unſeren Anſprüchen, ſondern nur von unſerem Unglück ſprechen, ich will mich nur an das Herz und die Großmuth Eurer Majeſtät wenden, und nur von dieſer eine Milderung für unſer Unglück und Erbarmen für unſer Volk erbitten.

Das Unglück, welches man zu erdulden hat, iſt doch gewöhnlich nur die Folge eigenen Verſchuldens, rief Napoleon rauh, man muß daher tragen, was man ſelber verſchuldet hat! Wie konnten Sie es nur wagen, mit mir Krieg anzufangen?