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Sie hüllte ſich in den kleinen Mantel von violettem Sammet, den Frau von Berg um ihre Schultern legte, und ſchritt, tief aufſeufzend und einen letzten, flehenden Blick zum Himmel emporwerfend, aus dem Gemach, um in der Staatscaroſſe des Kaiſers Napoleon nach Tiſſit zu fahren.
Dort in dem Gaſthof, welcher das Abſteigequartier des Königs war, empfing Friedrich Wilhelm ſeine Gemahlin und geleitete ſie die Treppe hinauf in das für ſie beſtimmte Gemach. Sie ſprachen Beide wenig; die tiefe und folgenreiche Bedeutſamkeit dieſer Stunde machte ſie ſtumm; ſie ſprachen nur zu einander mit ihren Blicken, ihren Händedrücken und einzelnen leiſe geflüſterten Worten, die einander die tiefe Beklemmung und den gewaltigen Sturm ihrer Herzen an⸗ kündigten.
Kaum eine Viertelſtunde nach der Ankunft der Königin erſchien ein Adjutant Napoleons, um der Königin zu melden, daß der Kaiſer ſchon unterwegs ſei, um der Königin ſeinen Beſuch zu machen und daß er ſogleich bei ihr erſcheinen werde.
Der König küßte ſeiner Gemahlin die Hand. Lebe wohl, Louiſe, ſagte er, und möge Gott Deinen Worten Kraft verleihen.
Louiſe hielt angſtvoll ſeine Hand feſt. Du bleibſt nicht bei mir? fragte ſie athemlos. Du wrillſt mich in dieſem ſchweren Augenblick verlaſſen?
Die Etiquette erfordert es, ſagte der König. Du weißt wohl, daß mich dieſe inhaltloſen Formen der Etiquette wenig tyranniſiren, aber es ſcheint, als ob der Herr Napoleon, dem dieſe Formen noch neu und fremd ſind, ſie für nothwendig erachtet für die Majeſtät des neuge⸗ backenen Kaiſerthums. Der Kaiſer macht Dir, der Königin, allein ſeinen Beſuch, und Du allein mußt ihn daher empfangen. Nur Deine Ehrendame darf in dem offenen Nebengemach verweilen, auch der Be⸗ gleiter Napoleons, welches wahrſcheinlich Talleyrand ſein wird, ſoll dort zurückbleiben. Lebe wohl, Louiſe, ich komme nur, wenn der Kaiſer aus⸗ drücklich nach mir fragt. Hörſt Du das Pferdegeſtampfe vor der Thür? Napoleon kommt! Ich gehe!
Er nickte ſeiner Gemahlin freundlich zu und verließ das Gemach.


