Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 2. Band (1859)
Entstehung
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Die beiden Miniſter neigten ſich vor ihr und küßten ihre Hand. Frau von Berg hatte während deß die Thür, welche nach dem kleinen Vorſaal führte, geſchloſſen und ging leiſe wieder durch die andere Thür hinaus.

Sie haben alſo die Botſchaft des Königs richtig erhalten? fragte die Königin, ſich an den Freiherrn von Stein wendend. Und Sie zauderten nicht einen Moment, hierher zu kommen? Und Sie, Herr Graf, fuhr die Königin fort, ſich an Hardenberg wendend, Sie machten es, wie dieſer Getrene? Da Sie hörten, daß der Moment der Ent⸗ ſcheidung gekommen ſei, wollten Sie nicht ſäumen, Ihrem König Ihre Dienſte anzubieten. Oh, ich danke Ihnen, meine Herren, ich danke Ihnen im Namen meines Mannes, meiner Kinder und unſeres Landes. In dieſen Tagen der Gefahr und Noth, wo Alles wankt und Alles wechſelt, thut es dem Herzen ſo wohl, der niemals wankenden Treue, der wechſelloſen Ergebenheit zu begegnen. Ach, ſo Viele ſind abge⸗ fallen und haben uns verlaſſen!

Aber auch ſo Viele ſind treu geblieben, ſagte Hardenberg, ſo Viele haben ſich bewährt!

Die Königin ſah ihn mit einem langen ſchmerzvollen Blick an. Wenige, ſagte ſie leiſe, ach ſehr Wenige! Sie ſagen das nur in der Großmuth Ihres Herzens, weil Sie Ihre eigene Treue nicht als etwas Außerordentliches erſcheinen laſſen wollen. Aber ſchauen Sie um ſich, blicken Sie umher in Preußen, ſchauen Sie auf alle unſere Feſtungen hin. Ueberall Verrath und Feigheit, überall Treuloſigkeit! Ich will Ihnen nicht von Stettin, von Küſtrin, von Spandau, von Anclam und von Erfurt ſprechen! Sie wiſſen es ſchon, daß wir dieſe Feſtun⸗ gen verloren haben. Aber wiſſen Sie auch die neue fürchterliche Botſchaft, welche wir geſtern erhalten haben? Wiſſen Sie, daß Magde⸗ burg gefallen iſt?

Magdeburg! riefen Stein und Hardenberg zu gleicher Zeit.

Die Königin nickte leiſe und ihre Augen füllten ſich mit Thränen. Es war unſer letzter Stützpunkt, ſagte ſie leiſe, er iſt auch unter unſerm Arm zuſammengebrochen und hat uns verlaſſen. Ich habe viel geweint ſeit geſtern. Jetzt will ich ruhig und gefaßt ſein und den