190
angelegt, um, da Berlin jetzt ganz von preußiſchem Militair entblößt war, in Gemeinſchaft mit dem franzöſiſchen Militair die Wachen zu beziehen.
Aber nicht ſchweigend und ſtill begleiteten das Volk und die National⸗Gardiſten die franzöſiſchen Soldaten, ſondern deutlich vernahm der Prinz das Hohngelächter, die lauten Spöttereien des Volkes, und der Buben ſogar, die ſich auf die Bäume geſchwungen hatten, und von dort ihr wieherndes Lachen und ihre ſpöttiſchen Zurufungen her⸗ unter krähten.
Und jetzt, wie der Zug näher kam, wie die Maſſen des Volks ihn ſelber umſchlangen, jetzt erkannte der Prinz, was dieſes Hohnlachen und dieſer Spott zu bedeuten habe.
In der Mitte der geputzten, glänzenden franzöſiſchen Soldaten bewegte ſich ein gar ſeltſamer und trauriger Zug daher.— Es waren die kriegsgefangenen preußiſchen Garde⸗Officiere, die von Prenzlau nach Berlin hatten wandern müſſen, und welche die franzöſiſchen Garde⸗ Grenadiere vor der Stadt empfangen, und außerhalb der Stadt an der Mauer zum Brandenburger Thor geführt hatten, damit ſie, wie es der Kaiſer befohlen, grade durch dieſes Thor ihren Einzug halten ſollten.
Vor zwei Monaten waren ſie aus dieſem ſelben Thore dahin ge⸗ zogen im vollen Glanz ihrer ſchönen Uniform, ſtolz und prächtig an zuſchauen, ſtolz und übermüthig von ihren glänzenden Roſſen hernieder⸗ ſchauend auf die Bürger und Civiliſten, deren demüthigen Gruß ſie kaum erwiderten. Vor zwei Monaten noch hatte der General von Rüchel mit Stolz ſagen dürfen:„ein preußiſcher Officier geht nie zu Fuß“,*) vor zwei Monaten noch hatten ſie es der Mühe kaum für werth gehalten, ihre Schwerter zu ziehen gegen die Franzoſen, ſondern gemeint, es genüge, ihnen mit Knüppeln entgegen zu ziehen, um ſie zu verjagen.
Aber jetzt, nach zwei Monaten, jetzt hatten die Unglückstage von Jena ſie gelehrt zu Fuß zu gehen, jetzt ſchauten ſie nicht mehr ſtolz
*) Siehe: Freiherr von Müffling: Aus meinem Leben. S. 80.
——
ßiſ M
un


