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ſchwieg. Unterwirft Ihr König ſich nicht allen meinen Bedingungen, und heißt mich willkommen in ſeinen Schlöſſern?
Sire, ſagte der Prinz traurig, es ziemt mir nicht zu deuteln an den Worten meines Königs. Wenn der König geſprochen hat, gebührt es mir zu ſchweigen. Nur das wage ich zu bemerken, daß Ew. Majeſtät aus dieſem Briefe erſehen können, wie die Königin ſich nicht einmiſcht in die Regierungsgeſchäfte und keinen Theil daran nimmt. Hätte ſie es gethan, ſo würden Ew. Majeſtät ohne Zweifel dieſen Brief des Herrn von Haugwitz nicht empfangen haben.
Des Herrn von Haugwitz? fragte Napoleon. Des Königs, wollen Sie ſagen!
Sire, der König lieh nur ſeinen Namen und ſeine Handſchrift dazu, Herr von Hauwitz gab die Worte und den Geiſt.
Sie ſind alſo der Meinung, daß die Königin nicht der Anſicht ihres Gemahls iſt? fragte der Kaiſer haſtig. Sie glauben, daß, wenn es auf die Königin ankäme, ſie noch immer auf die Fortſetzung des Krieges beſtehen würde?
Sire, ich erlaube mir nur zu ſagen, daß ſie ſolchen Brief nicht geſchrieben haben würde.
Ich weiß es wohl, rief Napoleon heftig. Ihre Königin haßt mich, ſie würde lieber ſterben, als um meine Freundſchaft bitten, ſie würde lieber unter den Trümmern des Thrones ſich begraben, als dieſen Krieg beenden und mich ihren Bruder nennen. Aber ich will dieſe ſtolze Seele beugen, ich will ihr Herz zerknirſchen, daß es bereuet. Ich will— aber mein Gott, unterbrach ſich der Kaiſer auf einmal, was fehlt Ihnen? Sie erbleichen? Sie ſchwanken, Prinz?
Und in der erſten Ueberraſchung erhob ſich der Kaiſer haſtig aus ſeinem Lehnſtuhl und that einige Schritte vorwärts. Aber der Prinz winkte ihm, zurückzutreten. Es iſt nichts, ſagte er matt, nur eine augenblickliche Schwäche der Natur, weiter nichts. Ich habe in meh⸗ reren Tagen und Nächten nicht geruht, und der Blutverluſt hat meine Kräfte erſchöpft. Außerdem,— warum ſollte ein armer Landſtreicher, wie ich es jetzt bin, ſich ſcheuen, es einzugeſtehen,— außerdem hun⸗
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