Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Napoleon wandte ſich an Talleyrand. Empfangen Sie zuvörderſt dieſen Herrn, ſagte er, nachher berichten Sie mir, und wir wollen dann ſehen, ob ich ihm eine Audienz bewilligen kann. Aber warten Sie noch! Erſt wollen wir ſehen, was der Brief des Königs enthält.

Er brach das Siegel und ſchlug das Papier auseinander, dann, eben im Begriff zu leſen, hob er das Auge wieder von dem Brief zu Duroc empor.

Ich vergaß, daß Sie mir zwei Nachrichten zu bringen hatten, ſagte Napoleon. Nennen Sie Ihre zweite.

Sire, ſo eben iſt der Prinz Auguſt von Preußen, unter Militair⸗ vegleitung, als Kriegsgefangener hier eingetroffen. Der Großherzog von Berg ſendet ihn Ew. Majeſtät als Trophäe Ihrer Siege. Der Obriſt von Gerard begleitet ihn.

Der Prinz hat ſich tapfer gehalten? fragte Napoleon.

Sire, der Obriſt von Gérard erzählt, daß ſelbſt die Unſrigen ſeinen Heldenmuth bewundert haben. Der Prinz hatte ſich mit einem Grenadierbataillon von dem Hohenlohe'ſchen Armee⸗Corps getrennt und war längs der Uker hingezogen. Unſere Dragoner verfolgten ihn, aber der Prinz ſchlug ſie mit ſeinem Bataillon mehrmals zurück, und es

ürde ihm gelungen ſein, ſich und die Seinen durch die Flucht zu retten, wenn nicht das Terrain ihn aufgehalten hätte. Er gerieth auf Moorgrund, der, von vielen Abzugs⸗Canälen durchkreuzt, ſeinen Marſch aufhielt. Die Pferde verſanken in den Moraſt, die Reiter mußten ab ſitzen und ſie zu Fuß weiter führen. Auch der Prinz war gezwungen, zu Fuß durch den Moor zu waten; er führte ſein Pferd an der Hand, und eben, wie er wieder feſteren Grund unter ſich fühlte und ſein Pferd wieder beſteigen wollte, um raſcher fortzukommen, riß das Thier ſich los und ſprang in die Uker, um ſein eigenes Leben zu retten. Nun gelang es unſern Grenadieren, den Prinzen einzuholen und gefangen zu nehmen, und wie die Preußen ihren Führer verhaftet ſahen, ergaben auch ſie ſich. Der Großherzog läßt Ew. Majeſtät dies ſo ausführ⸗ lich vermelden, weil er weiß, daß Ew. Majeſtät die Tapferkeit des Kriegers auch im Feinde ehrt, und weil dieſe lebendige Siegestrophäe,