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Sire, ich flehe um Gnade für die unglückliche Fürſtin Hatzfeld. Ich erflehe für ſie die Gnade einer Audienz.
Nein, nein, rief der Kaiſer, ſagen Sie mir kein Wort davon! Ich will ſie nicht ſehen, ich— Aber was bedeutet dies? unterbrach er ſich ſelber, indem er bei ſeinem haſtigen Vorwärtsſchreiten jetzt den Abſatz der Treppe erreicht hatte und die Fürſtin gewahrte.
Sie lag auf ihren Knieen, und ihre gefaltenen Hände dem Kaiſer entgegenſtreckend, heftete ſie ihre großen himmelblauen Augen mit dem Ausdruck rührenden Flehens auf den Kaiſer hin.
Napoleons Stirn legte ſich in noch tiefere Falten, und ſich mit zorniger Miene rückwärts wendend, fragte er: Was bedeutet dies, Herr Groß⸗Marſchall? Wer iſt dieſe Frau?
Sire, es iſt die Frau Fürſtin Hatzfeld, ſagte Duroc leiſe. Sie hat mich beſchworen, ihr eine Audienz bei Ew. Majeſtät zu verſchaffen. Sire, vergeben Sie es mir, daß ich die Fürſtin hierher führte, Ew. Majeſtät ſelbſt um dieſe Audienz zu bitten. Sire, ich rechnete auf Ihr großmüthiges Herz, welches der Frau verzeihen wird, die für ihren Gemahl zu bitten kommt.
Hat man Ihnen nicht geſagt, daß ich verboten habe, mir von dieſer Sache zu ſprechen? rief der Kaiſer mit drohender Stimme. Das Kriegsgericht allein hat den Fürſten zu richten, und ich werde und darf ſeinen Spruch nicht beeinfluſſen.
Oh, Sire, flehte die Fürſtin, immer noch auf ihren Knieen liegend, haben Sie Erbarmen mit mir, Erbarmen mit meinem unglücklichen Gemahl! Thränen erſtickten ihre Stimme und ſtürzten in hellen Bächen über ihr bleiches Antlitz nieder.
Napoleon ſchien gerührt von dieſem Anblick, ſein Auge ward mil⸗ der, die Falten auf ſeiner Stirn glätteten ſich ein wenig.
Madame, ſagte er, ſein Haupt zu ihr neigend, ſtehen Sie auf. Eine Frau in Ihrer Lage darf nur vor Gott knieen; in Rückſicht auf Ihre Lage bewillige ich Ihnen eine Audienz. Herr Groß-Marſchall, folgen Sie mir mit der Fürſtin in mein Cabinet.
Er ſchritt raſch die Stufen hinan und ging, ohne ſich umzuſchauen, durch die Säle und Gemächer dahin nach ſeinem Cabinet. Athemlos,


