Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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152 Verſchaffen Sie mir eine Gelegenheit, den Kaiſer zu ſprechen, und wäre es auf offener Straße, und ſtänden Tauſende um uns her, ich würde vor ihm auf meine Kniee niederſtürzen und wie eine Bettlerin um das Almoſen ſeiner Gnade flehen, denn das Leben meines Gemahls liegt in ſeiner Hand.

Nun, wenn Sie ſo denken, Fürſtin, dann hoffe ich, Ihnen eine Audienz verſchaffen zu können. Wir müſſen es machen, wie man es im Kriege macht, wir müſſen den Feind zu überliſten ſuchen; wir müſſen dem Kaiſer die Gelegenheit abſchneiden, der Audienz zu entgehen. Wenn er heimkehrt von Charlottenburg und erſt ſeine Zimmer betreten hat, iſt Alles vergeblich, er wird Niemand einlaſſen und taub ſein gegen alle meine Bitten. Sie müſſen ihm daher in den Weg treten, wenn er kommt. Sie müſſen—

Ein raſches und haſtiges Klopfen an der Thür unterbrach ihn⸗ und Durve eilte hin, ſie zu öffnen. Biſt Du es, Jean? fragte er.

Ja, Herr Groß⸗Marſchall, ich bin es, ſagte der Kammerdiener. Ich komme, Ew. Gnaden zu melden, daß der Kaiſer ſo eben mit ſeiner Suite die Linden herauf reitet. In einigen Minuten wird er hier ſein!

Es iſt gut! Geh jetzt, Jean!

Laſſen Sie auch uns jetzt gehen, ſagte die Fürſtin, ſich raſch der

Thür nähernd. Geben Sie mir den Arm, Herr Groß⸗Marſchall,

meine Füße zittern ſo ſehr, und ich könnte niederfallen, ehe ich vor dem Kaiſer ſtehe!

Kommen Sie, Fürſtin, ſagte Duroc mitleidsvoll, lehnen Sie ſich feſt auf mich. Gott wird Ihnen Kraft geben, denn Sie haben ein edles und furchtloſes Herz. Kommen Sie! Ich führe Sie hinunter an die Treppe, welche der Kaiſer hinaufgehen muß, um zu ſeinen Zim mern zu gelangen. Dort mögen Sie ihn anreden. Gott und die Liebe werden Ihren Worten Kraft verleihen!

Mit haſtigen, beflügelten Schritten durcheilten ſie die Reihe der Gemächer und traten jetzt in den ſogenannten Schweizerſaal, dieſe große Halle, in welcher die Ordonnanzen und die zum Dienſt des Tages be⸗ orderten Soldaten von der Garde ſich befanden.

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