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Zorn.*) Indeß ich würde mich freudig dieſem Zorn entgegen ſtellen, wenn es Ihnen und Ihrem Gemahl Nutzen bringen könnte. Aber es iſt eine vergebliche Hoffnung. Der Kaiſer würde mich nicht anhören, er würde mich unterbrechen und mit ſeiner Feldherrnſtimme mir Ruhe gebieten. Meine Fürbitte würde ihn nur noch mehr reizen, und leicht könnte ich die fürchterliche Entſcheidung, ſtatt ſie aufzuhalten, noch beſchleunigen.
Nun, rief die Fürſtin händeringend, wenn Sie nicht ſelbſt ſprechen und bitten mögen, ſo laſſen Sie es mich verſuchen. Ich fürchte den Zorn des Kaiſers nicht, und wenn eine Frau ſeine Kniee umklammert und zu ihm fleht, wird er ſie wenigſtens anhören und vielleicht Mit⸗ leid haben! Ich flehe Sie alſo nur um dieſe Eine Gunſt: Führen Sie mich zum Kaiſer! Laſſen Sie mich bei ihm um das Leben meines Gemahls flehen!
Sie haben Recht, es iſt das einzige Mittel, um vielleicht noch Gnade erlangen zu können. Der Kaiſer hat ein großmüthiges Herz, Ihre Thränen werden ihn vielleicht rühren, denn der Kaiſer kann keine weinenden Frauen ſehen, und der wirkliche Schmerz bewegt ihn zum Mitleid. Aber gerade, weil er ſeine Schwäche kennt, wird er es ver⸗ meiden, Sie zu ſehen, und ſtrengen Befehl ertheilen, Niemand zu ihm einweten zu laſſen. Sie müſſen alſo diesmal ſich entſchließen, der Etiquette und ihrer Fürſtenwürde zu entſagen. Sie müſſen nicht wollen, daß die Lakayen Sie melden und die Flügelthüren vor Ihnen aufge⸗ riſſen werden, ſondern Sie müſſen es ſich gefallen laſſen, ganz ohne alle Etiquette und ohne alle Form vor den Kaiſer hinzutreten und von ihm eine Audienz zu erzwingen.
Sehen Sie denn nicht, daß ich nichts weiter bin, als ein armes unglückliches Weib, eine arme Bettlerin, die um Erbarmen fleht? fragte die Fürſtin mit einem traurigen Lächeln. Würde ich zu Ihnen gekommen ſein, wenn ich noch an die Formen und die Etiquette dächte?
*) Sogar der Marſchall Lannes, des Kaiſers nächſter Genoſſe, und der⸗ ienige, der ihm am unerſchrockenſten und freieſten gegenüber zu treten pflegte, ſagte einmal:„Wenn der Kaiſer zornig wird, möchte ich weinen wie ein Kind, und mich verkriechen wie eine Maus.“ Mémoires de la Duchesse d'Abrantès. Vol. IX.


