Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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zu ſchrecken? fragte Talleyrand. Iſt es nicht genug, wenn man den ernſten Willen hat? Aber Sie haben Recht! Der Kaiſer will keine Gnade üben! Das Kriegsgericht wird morgen zuſammentreten.

Morgen ſchon! ſagte Duroc traurig. Oh, welch ein Jammer wird das in der Familie ſein. Die juuge Fürſtin liebt ihren Gemahl leidenſchaftlich, ſie erwartet in wenigen Monaten ihre Niederkunft und jetzt ſoll ſie ſchon, ehe es geboren, den Vazer ihres Kindes verlieren.

Zum zweiten Mal flog ein leiſes Lächeln über Talleyrand's Antlitz. Er neigte ſich dichter zu dem Groß⸗Marſchall hin und legte ſeine kleine kränkliche Hand auf Durve's kräftigen Arm. Mein Freund, flüſterte er leiſe, Sie müſſen verſuchen, den Fürſten zu retten!

Ich? fragte Duroc verwundert.

Talleyrand nickte. Ja Sie! Sie kennen die Familie ſeit langer Zeit, Sie ſind bei Ihren öftern Geſandtſchaften viel in dem Hauſe geweſen, es iſt alſo ganz natürlich, daß die junge Fürſtin in ihrer Noth und Verzweiflung ſich an Sie um Beiſtand und Unterſtützung wenden wird. Sie müſſen ihr eine Audienz beim Kaiſer verſchaffen und die junge Fürſtin hat ſomit die Gelegenheit, auf ihren Knieen von Sr. Majeſtät das Leben Ihres Mannes zu erflehen. Der ganze Adel wird dann in ihrer Perſon vor dem Kaiſer gedemikthigt auf den Knieen liegen, und der ganze Adel wird begnadigt werden in der Perſon des Fürſten. Mein Lieber, Sie müſſen durchaus der Fürſtin eine Audienz bei Napoleon verſchaffen!

Aber ſagten Sie mir nicht, daß der Kaiſer keine Gnade üben will? Daß das Kriegsgericht ſchon morgen zuſammentreten wird?

Ich ſagte Ihnen das! Ich hätte noch hinzufügen können, daß der Kaiſer, als ich ihn um Gnade für Hatzfeld bat, mich zornig zu⸗ rückwies, und hinzufügte, er verbiete es auf das Allerſtrengſte, ihn um Gynade zu erſuchen. Auch Duroc ſolle es nicht wagen, ihn darum anzugehen, oder es verſuchen, die junge Fürſtin zu ihm zu führen, da mit dieſe um Gnade für ihren Gemahl flehe!

Nun alſo? rief Duroc.

Nun alſo, ſagte Talleyrand gelaſſen, gerade aus dieſem ſtrengen

Mühlbach, Napoleon D. Bd. 10