Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Nur der alte Conſiſtorialrath Ermann ſchlug die Augen nicht nieder, und ſein Antlitz zeigte nichts von Furcht und Schrecken. Mit ernſtem, faſt zürnendem Ausdruck blickte er auf den Kaiſer hin, und inmitten der Stille, welche den Worten des Kaiſers gefolgt war, ver nahm man plötzlich ſeine ernſte Stimme, welche das angſtvolle Schwei gen unterbrach.

Sire, ſagte er, laut genug, um von Jedermann verſtanden zu werden, Sire, Ew. Majeſtät ſagen, die Königin von Preußen ſei an allem Unglück Preußens Schuld? Sie habe den Krieg veranlaßt und die böſen Leidenſchaften aufgeregt? Sire, das iſt nicht wahr! Die Königin iſt eben ſo edel als tugendhaft.*)

Wie von einem elektriſchen Schlag getroffen fühlte ſich die ganze Verſammlnng, alle Blicke richteten ſich ſcheu und angſtvoll auf Napo leon hin, Jeder hielt den Athem an, um die Antwort des Kaiſers zu vernehmen, Jeder fühlte ſchon im Voraus inniges Mitleid mit dem unglücklichen Greiſe, den der Zorn Napoleons jetzt zerſchmettern werde.

Aber der Kaiſer ſchwieg. Einen Moment nur flammte es in ſeinen Augen auf, einen Moment zuckten ſeine Blicke wie zwei blin⸗ tende Dolchſpitzen auf das Antlitz des Greiſes hin, aber er ſagte nichts, er ſchien die Worte Ermanns gar nicht gehört zu haben, ſon⸗ dern wandte ſich mit vollkommener Gelaſſenheit an die katholiſche Geiſtlichkeit, um mit ihnen über die Intereſſen ihrer Kirche ſich zu unterhalten.

Aber der Kaiſer ſchien jetzt erſchöpft und ermüdet, er ging raſcher

1 an ſie, und eilte ſichtlich, ſeinen Umgang durch den Saal zu vollenden. Dann grüßte er die Verſammlung mit einem raſchen Kopfnicken und verließ den Saal wieder, gefolgt von dem Groß⸗Marſchall und ſeinen

an den Vorgeſtellten vorüber, er richtete nur einige kurze höfliche Worte t

beiden Ober⸗Kammerherren.

Einen Moment ſtanden noch Alle ſchweigend und unbeweglich da, Jeder hatte ein Gefühl, als ſei eben ein glänzendes Meteor an ihm vorüber gerauſcht und als ſeien ihm die Augen noch ſo ſehr davon

*) Ermanns eigene Worte. Siehe: Königin Louiſe. S. 406.

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