Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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gekommen, dem Kaiſer zu huldigen, der ihre Armee geſchlagen, ihren König und ihre Königin vertrieben und Berlin in eine franzöſiſche Präfectur verwandelt hatte.

Jetzt öffneten ſich die breiten Flügelthüren und der Groß⸗Marſchall ſchritt durch die Säle dahin, mit lauter Stimme verkündend: Seine Majeſtät der Kaiſer!

Eine tiefe feierliche Stille trat ein. Aller Augen waren nach der Thür hingewandt, durch welche der Kaiſer eintreten mußte. Und jetzt erſchien er auf der Schwelle, ernſt, gleichgültig und kalt, wie immer.

Die feierliche Stille dauerte fort, das Vive PEmpereur, welches Napoleon auf der Straße begrüßt hatte, es war doch noch nicht hinaufgedrungen bis in die Räume des weißen Saales, wo die marmornen Statuen der Hohenzollern ſtanden, und es ſchauen ſollten, wie jetzt der Feind ihres Hauſes von den Dienern des Königs als ihr Herr begrüßt werden ſollte.

Aber dieſe ſtumme Begrüßung, welche den Ahnen des Königs ſchon zu viel ſcheinen mochte, ſie war der Seele des ſtolzen Kaiſers doch zu wenig, und eine düſtere Wolke lagerte ſich auf ſeiner Stirn.

Dieſe Wolke war noch nicht verſchwunden, als der Groß⸗Marſchall ſich dem Kaiſer nahte, um ihm den Ober⸗Ceremonienmeiſter Grafen Neale vorzuſtellen, und zu fragen, ob es dieſem vergönnt ſein dürfe, dem Kaiſer die einzelnen Behörden und Chargen vorzuführen und namentlich zu bezeichnen.

Ah, rief Napoleon, Sie ſind der Graf Neale, deſſen Tochter eine ſo kriegsdurſtige Amazone iſt.*) Die Berliner Frauenzimmer, mit Ihrer Königin an der Spitze, haben ja den Krieg durchaus gewollt; ſehen Sie nun das Reſultat. Sie ſollten Ihre Familie beſſer in Schranken halten, mein Herr, Sie ſollten ſie nicht ſo unvernünftige

*) Die franzöſiſche Polizei, welche auch die Poſten überwachte, hatte kurz vor dem Ausbruche des Krieges einen Brief der Comteſſe Neale an eine Freun⸗ din in Darmſtadt aufgefangen, in welchem die Comteſſe ſich mit Leidenſchaft für den Krieg mit Frankreich erklärte, und unter Anderm ſagte:„Napoleon will keinen Krieg, man muß ihn dazu treiben.“ Dieſen Brief hatte man dem Kaiſer mitgetheilt. Siehe: Le Normand, II. 99.

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