Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Kriegstiraden ausſprechen laſſen. Gewiß, ich will den Krieg nicht; nicht etwa, weil ich meiner Stärke mißtraue, ſondern weil das Blut meiner Völker mir koſtbar und weil es meine erſte Pflicht iſt, daſſelbe nur für ihre Ehre und ihre Sicherheit zu vergießen. Das gute Volk von Berlin iſt nun ein Opfer des Krieges, während die Anſtifter deſ⸗ ſelben in Sicherheit ſind. Aber ich will dieſen Hofadel, der es wagt, ſich wider mich aufzulehnen, ich will ihn ſo arm und klein machen, daß er ſein Brod wird betteln müſſen.*)

Graf Neale ſtammelte bleich und zitternd einige unverſtändliche Worte und wollte ſich zerbrochen und zerſchmettert von dem Zorne des Imperators zurückziehen. Aber Napoleons flammendes Auge ruhte feſt und unverwandt auf ihm, und als errathe er ſeine innerſten Gedanken, ſagte er mit kalter, wegwerfender Ruhe: Bleiben Sie und thun Sie Ihre Pflicht!

Der Graf Neale mußte alſo bleiben, er mußte ſeine Pflicht thun und dem Kaiſer die einzelnen Behörden und Körperſchaften vorſtellen, nachdem der Kanzler des Königs ihm zuvor die ſieben preußiſchen Mi⸗ niſter präſentirt hatte.

Zu beiden Seiten des weißen Saales ſtanden alle die zur Audienz Befohlenen aufgereiht, und der Kaiſer ſchritt langſam in der Mitte des Saales dahin, während Graf Neale, der unmittelbar hinter ihm ging, mit lauter Stimme die Chargen und Würden der Herren, welche in der erſten Reihe ſtanden, verkündete.

Sire, begann er jetzt, auf die beiden mit reichen goldenen Ketten geſchmückten Herren hindeutend, welche da im Vorgrund ſtanden, Sire, die beiden Bürgermeiſter mit der Munizipalität von Berlin.

Ich kenne dieſe Herren, ſagte der Kaiſer, und ein milderer Aus⸗ druck flog über ſein Antlitz hin. Sie gehörten Beide zu der Deputa⸗ tion, welche mir ſchon in Potsdam die Schlüſſel von Berlin übergeben wollte. Sie verſicherten mich damals, daß die Gerüchte, welche man über dieſe Stadt verbreitet hätte, falſch wären, daß die Bürger und

*) Le Normand, II. 98.— Mémoires d'un homme d'état, IX.— Goujou Collection des Bulletins, Nro. XXI.