Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Er nickte dem Caſtellan einen flüchtigen Gruß zu und trat aus der Halle in den Vorſaal und von da in die äußere Säulenhalle, wo die Pferde für den Kaiſer und ſeine Suite bereit ſtanden.

Der Caſtellan ſchaute der glänzenden Cavalcade mit trüben Blicken nach. Er ſieht aus, wie ein Marmorbild, murmelte er leiſe vor ſich hin, ich glaub' auch, er hat kein Herz in ſeiner Bruſt. Es iſt Alles an ihm von Marmor. Wenn er ein Herz hätte, würde er's nicht wagen, hierher zu kommen und mit räuberiſcher Hand die heiligen An⸗ denken an unſern großen König an ſich zu reißen. Ich muß doch ſehen, ob es wirklich geſchehen iſt.

Und der Greis verließ die Halle und eilte mit jugendlicher Haſt durch die Zimmer dahin nach dem Audienzzimmer zurück.

Ja, es war geſchehen! Der Hut und der Degen, der ſchwarze Adler⸗Orden und die Klingel waren von dem Tiſch verſchwunden. Der alte Caſtellan ächzte tief auf und eilte weiter in das Wohnzimmer. Sein angſtvoller Blick flog hinüber nach dem Ort, wo ſonſt die Uhr geſtanden. Auch ſie fehlte von dem Piedeſtal.

Aber von dem Vorzimmer her vernahm er ein lautes Sprechen und Lachen, und wie der Caſtellan dahin eilte, ſah er da einige von der untern Begleitung des Kaiſers, welche, den Befehlen des Groß⸗ Marſchalls zufolge, damit beſchäftigt waren, die Sachen in einen Korb zu packen und ſich dabei beluſtigten, über die ſeltſame und geringe Beute, welche ihr Kaiſer hier gemacht habe, zu ſpötteln und zu lachen. Die alten ergrauten Diener Friedrichs des Großen ſtanden daneben und ſchauten mit Thränen in den Augen zu, wie man ihnen die Schätze ihrer heiligſten Erinnerungen entführte.

Eben war man damit beſchäftigt, die Uhr über den andern Dingen in den Korb zu legen. Der Caſtellan eilte zu ihr hin, und ſeine Hand auf das Zifferblatt legend, ſagte er leiſe: Lebe wohl! Des großen Friedrichs Augen haben oft zu Dir hingeſchaut und oft Dich betrachtet. Das waren auch Sterne, ſeine Augen, aber keine gefallenen Sterne,

Mühlbach, Napoleon. II. Bd. 8