Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Und von unſerem König und ſeiner Gemahlin haben Sie nichts gehört?

Sie ſind Beide auf der Flucht, und wie man ſagt, werden ſie ſich nach Magdeburg begeben, wenn die ſie verfolgenden Feinde ihnen das Aſyl gönnen. Napoleons Haß und Zorn iſt noch nicht befriedigt, und ſein neueſtes Bulletin iſt wieder in der rohen Wachtſtubenmanier ge⸗ ſchrieben, wie alle ſeine letzten Bulletins, in denen er es wagt, die edle und ſchöne Königin zu beſchimpfen.

Es iſt ſchon wieder ein Bulletin erſchienen?

Es ward eben unter den einmarſchirenden Truppen vertheilt, als ich Weimar verließ. Ein Soldat, den ich darum bat, gab mir ſein Exemplar. Wollt Ihr es leſen?

Leſen Sie es uns, ſagte Graf Prickler. Laſſen Sie uns hier im Schatten dieſer Bäume ein wenig ausruhen, denn ich geſtehe es, ich fühle mich bis in den Tod erſchöpft und meine Füße drohen unter mir zuſammenzubrechen. Und wie iſt es mit Ihnen, Kamerad?

Glauben Sie, fragte Schill mit matter Stimme, glauben Sie, daß meine Wuth ſich nicht in Worten Luft gemacht hätte über dieſen unverſchämten Corſen, der unſere edle Königin zu ſchmähen wagt, wenn ich noch Kraft hätte zu ſprechen? Laſſen Sie uns niederſitzen und ruhen. Sehen Sie, da iſt eine ſchöne Eiche, unter ihrem Schatten wollen wir ruhen!

Sie wanderten langſam zu der großen dichtbelaubten Eiche hin welche da am Eingange des Gehölzes ſtand, und um deren Fuß herr⸗ lich duftendes grünes Moos gewachſen war. Mit Staps Hülfe und auf ſeinen Arm gelehnt, ließen ſich die beiden Officiere auf das Moos niedergleiten, und die hoch hervorquellenden, von grünem Raſen über⸗ zogenen Wurzeln der Eiche dienten ihren verwundeten Häuptern als Kopfkiſſen.

Oh, wie ſchön ruht es ſich auf deutſcher Erde unter der deutſchen Eiche, ſeufzte Schill hochaufathmend. Hier möcht' ich liegen und zu den rauſchenden Blättern emporſchauen und träumen mein ganzes Le⸗ ben lang. Mein Gott, wie ſollte man, inmitten dieſes Friedens, der uns heute umgiebt, wohl glauben, welche furchtbaren Stunden des

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Mühlbach, Napoleon. II. Bd. 3