Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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Es ſieht aus wie in einer Hölle, erwiederte Staps. Man hört nichts als Wüthen und Schreien, man ſieht nichts als ſchreckensbleiche Geſichter, als Fliehende und Verfolgende. Die Straßen ſind vollge⸗ pfropft von Menſchen, Wagen und Reitern. Die Einwohner mit ihren Wagen wollen Weimar verlaſſen und ſich flüchten, ſie wiſſen ſelber nicht wohin, und an den Thoren werden ſie zurückgedrängt von den feindlichen Soldaten, welche ihren Einzug halten, oder von den Wagen, auf denen man die Verwundeten in die Stadt fährt.

Und wie ſieht es auf dem Schloß aus? Die Herzogin iſt vor dem Zorn des Eroberers geflohen, nicht wahr?

Nein, die Herzogin iſt geblieben, um für ihr Land und ihren Gemahl bei Napoleon um Schonung zu bitten.

Iſt denn Napoleon ſchon in Weimar?

Ja, er iſt heute Morgen von Jena herübergekommen. Die Her⸗ zogin hat ihn an der Treppe ſtehend empfangen, und vor ſeinen finſtern und hochfahrenden Blicken hat ſie die Augen nicht niedergeſchlagen, ſondern ihn angeſchaut mit der ſtolzen Ruhe einer edlen deutſchen Frau. Sie ſind alſo nicht geflohen? fragte Napoleon barſch.Sie fürchten alſo nicht meinen Zorn über das unkluge und feindliche Benehmen Ihres Gemahls? Die Herzogin ſah ihn ruhig an.Sie ſehen es wohl, Sire, ſagte ſie, ich bin geblieben, weil ich Ihrer Großmuth vertraute und für meinen Gemahl und mein Volk bitten wollte! Na⸗ poleon ſah ſie lange ſchweigend an, ihre Würde und Ruhe ſchien ihm zu imponiren.Das iſt ſehr ſchön von Ihnen, ſagte er nach einer langen Pauſe,und um Ihretwillen, und weil Sie Vertrauen zu mir gehabt haben, will ich Ihrem Gemahl verzeihen.*) Was weiter geſchah, weiß ich nicht, denn ich verließ das Schloß eben, als Na⸗ poleon ſich in die für ihn beſtimmten Zimmer zurückgezogen hatte. Meine Baſe, welche Kammerfrau der Herzogin iſt, erzählte mir, was ich Ihnen eben mittheilte.

*

*) Napoleons eigene Worte. Siehe: Mémoires de Constant. Vol. IW. und: Geſchichte Napoleons von**Xr. II. S. 105.

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