Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 1. Band (1859)
Entstehung
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wilden Mordens und Blutvergießens wir geſtern durchlebt haben! Iſt dies Alles denn Wahrheit und Wirklichkeit, oder haben wir nur einen böſen Fiebertraum gehabt?

Faſſen Sie an Ihre Stirn, verſuchen Sie Ihren rechten Arm zu heben und Sie werden ſehen, welches die Wirklichkeit iſt, ſagte Prickler mit einem bittern Lachen, und wenn Sie dann noch Zweifel haben, ſo mag uns unſer junger Freund das neueſte Bulletin unſers Triumphators vorleſen. Aber verſprechen Sie, ihn nicht zu unterbrechen und ſich nicht zu ereifern über das, was wir hören werden?

Ich verſpreche Ihnen, ganz ruhig zu ſein, denn meine Schwäche zwingt mich dazu. Leſen Sie, Freund Staps. Aber ich bitte Sie, leſen Sie gleich die deutſche Ueberſetzung, denn es hieße die Stille des Waldes und die Keuſchheit der deutſchen Eiche verletzen, wenn wir es wagen wollten, hier die Sprache unſerer Feinde hören zu laſſen. Leſen Sie!

Friedrich Staps ſetzte ſich den Officieren gegenüber auf den Stumpf eines abgehauenen Baumes nieder, und ein Papier aus ſeinem Buſen hervorziehend, entfaltete er es und las:

Die Schlacht von Jena hat die Schande von Roßbach abge⸗ waſchen und in ſieben Tagen einen Feldzug entſchieden. Seit dem neunten Oktober ſind wir von Siegen zu Siegen geſchritten, und die Schlachten von Jena und Auerſtädt haben allen anderen Siegen die Krone aufgeſetzt. Die preußiſche Armee iſt auseinandergeſprengt und vernichtet. Der König irrt obdachlos umher, und die Königin wird jetzt mit bitteren Thränen es bereuen müſſen, daß ſie es war, welche ihren Gemahl zu dieſem unvernünftigen und ungerechten Kriege auf⸗ gehetzt hat. Bewunderungswürdig und herrlich war die Haltung und die glühende Kampfesluſt unſerer ganzen Armee, herzerhebend der Enthuſiasmus der tapferen Soldaten für ihren Feldherrn und Kaiſer. Wenn irgend eine augenblickliche Schwierigkeit entſtand, ſo hob ſie der Ruf: es lebe der Kaiſer! welcher alle Seelen belebte und alle Seelen mit ſich fortriß. Im größten Handgemenge ſah der Kaiſer, daß die Flügel von der Kavallerie bedroht waren, er ritt im Galopp hin, um neue Manoeuvres und die Veränderung der Fronte in ein Quarré

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